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krone.at-Filmkritik

24.10.2008, 15:16
Action pur, gnadenlos & cool: "Ein Quantum Trost"
Action pur, gnadenlos & cool: "Ein Quantum Trost" (Bild: Sony Pictures Releasing GmbH)
Die Welt vor skrupellosen Geschäftemachern zu beschützen, ist kein Kinderspiel. Und genau das merkt man "Ein Quantum Trost" auch an - James Bond ist endgültig erwachsen geworden. Der britische Humor wurde auf ein Minimum reduziert und verspielte Gimmicks sucht der Zuseher vergebens, eine Pistole und voller Körpereinsatz sind die einzigen Waffen des Agenten im Geheimdienst Ihrer Majestät. Der neue Bond bietet Action ohne Ende - er ist gnaden- und kompromissloser denn je.

Von der ersten Minute an ist klar, in welche Richtung "Ein Quantum Trost" steuert - im wahrsten Sinn des Wortes. James Bond (Daniel Craig) liefert sich eine atemberaubende Verfolgungsjagd auf einer engen, überfüllten Bergstraße in Italien. Sein Wagen schleudert, Kugeln fliegen ihm um die Ohren, einige Male springt er dem Tod von der Schippe, verliert auch noch die Fahrertür - und das alles ohne die gewohnten technischen Spielereien seines fahrbaren Untersatzes. Diesmal ist es nur Bond, der sich seiner Verfolger schließlich in einem staubigen Steinbruch entledigt.

Bei seiner Chefin M (Judi Dench) angekommen, wird klar, dass er wertvolle Fracht im Kofferraum transportierte: Mr. White (Jesper Christensen), bekanntlich einer der Oberbösewichte des letzten Bond-Streifens "Casino Royale", ist Mitglied der geheimnisvollen Untergrundorganisation Quantum, die - wie er behauptet - überall zu finden ist. Diese Aussage bewahrheitet sich bereits einen Augenblick später, und der britische Geheimdienst muss der Wahrheit ins Auge sehen: Es gibt eine überaus mächtige kriminelle Organisation mit Verbindungen in höchste Kreise, die der Entdeckung durch die Agenten bisher entgangen ist. Der amerikanische CIA ist da keine große Hilfe, also wird Bond ausgesandt, die Hintergründe aufzudecken.

Die geheimnisvolle Schönheit Camille (Olga Kurylenko), die erstmal auf Bond schießt, führt ihn auf die Spur eines der Drahtzieher von Quantum, Dominic Greene (Mathieu Amalric). Der gibt sich als Umweltschützer, der gegen skrupellose Ölbarone ins Feld zieht, während er in Wahrheit ganz andere Ziele verfolgt: die weltweite Kontrolle über den wohl kostbarsten Rohstoff...

Um sein Ziel zu erreichen, geht Quantum über Leichen und stürzt ganze Regierungen. So etwa jene Boliviens: Greene verspricht dem skrupellosen General Medrano (Joaquin Cosio), ihn zum Machthaber hochzuputschen, wenn seiner Organisation im Gegenzug ein Tal in der Wüste Boliviens überschrieben wird - samt aller dort befindlichen Ressourcen. Noch hat Medrano keine Ahnung, was Greene dort gefunden hat und welche Auswirkungen damit verbunden sind. Und dass Camille, die ehemals für den bolivianischen Geheimdienst arbeitete, nicht hinter Greene her ist...

Bond verfolgt Greene in zahlreichen atemlosen Actionsequenzen - Daniel Craig bietet dabei die wohl kompromissloseste Darstellung des Geheimagenten. Ohne ein einziges jener technischen Gimmicks, für die die Bond-Serie berühmt war und die 007 in zahllosen Filmen das Leben retteten, kämpft sich Bond diesmal nur mit einer Pistole und seinen bloßen Händen durch. Er hechtet von Dach zu Dach, stürzt metertief auf Balkone und rappelt sich dreckig und mit diversen Schrammen dennoch immer wieder auf, verprügelt Gegner bis zum Tod und muss ebenso oft Schläge einstecken. Die Atemlosigkeit und Unaufhaltsamkeit Bonds ist in jeder Minute der Actionsequenzen zum Greifen nah.

Eine Station der Verfolgungsjagd ist in Österreich, wo Bond vor der beeindruckenden Kulisse der "Tosca"-Aufführung auf der Seebühne in Bregenz einige der Quantum-Mitglieder entlarvt, die allesamt unter dem Stichwort reich und mächtig einzuordnen sind. Dumm nur, dass am Ende ein kleiner Fisch erschossen aufgefunden wird - eine eiskalte Tat James Bonds, der aus Rage über seine verstorbene Liebe Vesper Lynd (die sich am Ende von "Casino Royale" um Bond zu schützen selbst ertränkte) jede Kontrolle über sich verloren habe, so die offizielle Meinung. Auch Agentin Fields (Gemma Arterton), Bonds Kurzzeit-Vertraute, muss dran glauben - ihre Todesart ist eine Hommage an den 1964-er Bond-Film "Goldfinger". M will nicht glauben, dass 007 Amok läuft - bis der letzte Vertraute Bonds erschossen in Bolivien gefunden wird. Der Geheimagent gilt ab sofort als vogelfrei - auch für die CIA, die sich auf einen bedenklichen Deal mit Quantum eingelassen hat. Von allen Vertrauten im Stich gelassen, bleibt Bond und Camille nur, ihre Rache selbst in die Hand zu nehmen...

Fazit: "Ein Quantum Trost" ist einer der kompromisslosesten, härtesten Bond-Filme. Von sämtlichen Gimmicks befreit, konzentriert sich Daniel Craig ganz auf körperbetonte Action. Der Zuschauer ist atemloser Teilnehmer, während Bond hechtet, springt, schießt und vor allem prügelt. Endlich hinterlassen die wunderbar gelungenen Actionszenen Spuren - Bond blutet und schwitzt, kämpft in dreckigen T-Shirts und mit Ringen unter den Augen. Die Hintergrundgeschichte hat einige Schwächen, und das Ende legt die Vermutung nahe, dass Quantum auch im nächsten Film eine Rolle spielen wird. Obwohl der Film wegen einiger brutaler Szenen und der hoffnungslosen Grundstimmung einen bitteren Beigeschmack hinterlässt: Daniel Craig macht seine Sache ausgezeichnet - hart und kompromisslos, hat 007 dank Craigs Darstellung dennoch seine Unverwundbarkeit eingebüßt, auch emotionaler Natur, und genau das macht "Ein Quantum Trost" so sehenswert.

Von Bernadette Geißler

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