Die Grazer Verkehrsbetriebe haben auf Wunsch des Bürgermeisters ihre Beförderungsrichtlinien überarbeitet, wie Stadtwerke-Vorstand Wolfgang Malik gegenüber der "Krone" bestätigt. Lärmen und musizieren mit technischen Geräten, so heißt es, ist künftig verboten. Nagl hat die ersten orangen "Gebotsschilder" mit der aufschrift "lautlos" selbst aufgeklebt.
Wörtlich steht jetzt in den Richtlinien: In den Fahrzeugen ist das Lärmen und Musizieren - auch mit elektronischen Geräten - verboten. Mit Rücksicht auf andere Fahrgäste besteht in den Fahrzeugen das Gebot, mit Mobiltelefonen das Telefonieren zu unterlassen und nur die zusätzlichen Funktionen des Handys (SMS, Internet, Kalender, Spiele etc.) im Lautlos-Modus zu nutzen.
"Ich freue mich riesig, dass ich damit eine enorme Diskussion ausgelöst habe", erklärte Nagl, ehe er auf der Öffi-Drehscheibe Jakominiplatz zur Klebeaktion schritt. Er sehe es als "gutes und deutliches Signal" am "Welttag gegen den Lärm", "die Heilige Kuh Handy" in ihrer Allgegenwärtigkeit infrage zu stellen. Nagl räumte aber ein, "dass die Nation, die Stadt gespalten ist".
Für Handybenutzer bedeutet das: in Bim und Bus muss das Gerät lautlos gestellt werden, telefonieren (vulgo "lärmen") ist ebenso wenig erlaubt, schon gar nicht Musik am Lautsprecher. Man darf allerdings alle anderen Handyfunktionen benutzen, also etwa SMS versenden ("Bin in der Bim, kann nicht anrufen"). Malik: "Wir betrachten das eher als ein Gebot, weniger als ein Verbot."
Keine Kontrollen, keine Strafen
Wirklich Kontrolliert wird das Telefon-Verbot jedoch nicht. Der personelle Aufwand wäre viel zu groß. Dementsprechend gibt es auch keine Strafen. Allerdings darf der Bus- oder Straßenbahnfahrer renitente Handybenutzer durchaus aus dem Verkehrsmittel werfen - wer ein kleckerndes Eis isst und vom Busfahrer ertappt wird, kann in Graz bereits am Öffi-Zutritt gehindert werden.
Nagl: "Anderen Städten hat bisher der Mut gefehlt"
Die Maßnahme folge dem schwarz-grünen Regierungspakt und sei ein erster Schritt in einem umfassenden Gesundheitsprogramm, so der Bürgermeister. Immerhin fühlten sich laut aktueller Studie 79 Prozent der Menschen durch die ständige Erreichbarkeit via Handy belastet, klare Mehrheiten würden sich handyfreie Zonen bei Arzt und im Krankenhaus sowie bein kulturellen Ereignissen und in öffentlichen Verkehrsmitteln wünschen. Definitiv für ein Handyverbot in Öffis hätten sich 42 Prozent ausgesprochen.
Grüne schwenken um
Auf eine skeptische Linie sind die Grazer Grünen inzwischen umgeschwenkt. Noch vor wenigen Tagen sprach Vizebürgermeisterin Lisa Rücker von einer "sinnigen Geschichte", am Mittwoch, nachdem Bürgermeister Siegfried Nagl den offiziellen Startschuss für die "Lautlos-Ära" in Bim und Bus gegeben hatte, hieß es in einer Aussendung, Bewusstseinsarbeit allein hätte es auch getan.
Viele Städte in Österreich und in ganz Europa beschäftigten sich mit dem Thema, nur habe "bisher der Mut gefehlt", so Nagl. Der Bürgermeister nahm Bezug auf einen Parteichef-Vorgänger, Erich Edegger, der vor einem Viertel Jahrhundert flächendeckend Tempo 30 eingeführt habe und damit zum Teil auf scharfe Ablehnung gestoßen sei. Heute sei diese Regelung selbstverständlich.
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