Wie immer machten die Autoren des Rassismus-Reports darauf aufmerksam, dass der Report keinerlei Aussagen darüber tätigen könne, ob Rassismus in Österreich zu- oder abgenommen habe. Zara-Geschäftsführerin Barbara Liegl bei der Präsentation des Reports am Donnerstag: "Viele rassistische Vorfälle bleiben uns vollkommen verborgen."
Für ein "ernsthaftes Monitoring" würde man nämlich ein ganzes Netzwerk von staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen brauchen. Deswegen gelte, dass die Fälle nur einen Teil der Realität in Österreich widerspiegeln würden.
Auch FPÖ und BZÖ in Vorfallskatalog
Das Spektrum des Anti-Rassismus-Reports ist breit: Von Vorfällen im öffentlichen Raum über Polizei, Behörden und andere Institutionen betreffend bis zur Arbeitswelt wurden etliche Einzelfälle sorgsam dokumentiert. Im Kapitel "Politik und Medien" finden sich zwei Parteien: FPÖ und BZÖ. Erwähnung findet etwa die Grazer FPÖ-Politikerin Susanne Winter, die in einem Interview sagte: "Es gibt in muslimischen Ländern Tierbordelle, und wir bringen den Beweis." Zuvor hatte ihr Sohn im Magazin des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) gefordert, durch "Einrichten" einer Schafherde im Grazer Stadtpark eine "Sofortmaßnahme gegen muslimisch-türkische Vergewaltigungen" zu schaffen.
Die Debatte über das Verbot von Minaretten und Kopftüchern in Kärnten ging an Zara ebenfalls nicht spurlos vorbei und wurde dokumentiert. So wird etwa ein Interview mit dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (BZÖ) zitiert, in dem er gesagt hatte: "ich möchte keine verschleierten Frauen auf unseren Straßen sehen." Zara kündigt an, die Entwicklung beim Moscheen-Bauverbot weiter zu verfolgen.
"Erschreckend" wenig Zivilcourage
Wenig Optimismus vermittelte Wolfgang Zimmer, Leiter der Zara-Beratungsstelle. So sei "eines der erschreckendsten Ergebnisse" des Reports, dass auf Gewalt im öffentlichen Raum nur mit wenig Zivilcourage geantwortet werde. Eine zweite Tendenz: Die Schilderungen von Aggression gegen Kinder würden sich häufen. Aber auch die Anti-Rassismus-Initiative selbst werde zur Zielscheibe rassistischer Angriffe. So spielten die Zara-Verantwortlichen Schimpftiraden einer Dame via Telefon vor: "Ihr gehört ja genau so angespuckt wie diese Parasiten."
Eine positive Nachricht kann Zara allerdings auch vermelden: So habe man die Volksanwaltschaft beauftragt, zu überprüfen, was mit Anzeigen etwa gegen diskriminierende Stellenausschreibungen geschehe. Dabei sei "toll recherchiert" worden. Das Ergebnis: Eine Missstandsfeststellung durch die Volksanwaltschaft, da etliche Verfahren oft mit nicht nachvollziehbaren Argumenten eingestellt würden. Hier will man eventuell noch in diesem Jahr erneut überprüfen lassen, ob sich die Situation geändert habe.
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