Das Museumsquartier hatte Anzeige gegen unbekannte Täter erstattet, nachdem die Beschädigungen aufgefallen waren. "Möglicherweise müssen jetzt die Platten ausgetauscht werden", meinte dazu MQ-Sprecherin Irene Preißler. Wie sie am Dienstag betonte, habe man aber keinen Einfluss auf das gegen Seethaler anhängige Verfahren und werde an diesem auch nicht teilnehmen.
Erst im Zuge der Erhebungen war der "Zettelpoet" (im Bild oben aus dem Jahr 1995) als angeblicher "Täter" ausgeforscht worden. Ihm flatterte sodann ein Strafantrag der Staatsanwaltschaft Wien ins Haus. Inkriminierter Schaden: 3.900 Euro.
Seethaler soll jeglichen Zusammenhang mit dem gegenständlichen Sachverhalt bestreiten, heißt es. Außerdem wären die - von wem auch immer angebrachten - "Gedichte längst fast ganz verwittert und nur mehr schwach lesbar", wie er zuletzt in einer Medienmitteilung darlegte. Am Dienstag machte er beim Museumsquartier mit einem inszenierten "Schriftprobe-Gerichtstermin" auf das Verfahren gegen ihn aufmerksam. Der Verhandlungstermin ist der 18. Februar im Straflandesgericht.
Seit 1973 über 3.000 Klagen wegen Zettelgedichten
Seethaler ist seit 1973 als "Zettelpoet" aktiv und hat sich weit über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Seine Verse verteilt er mittlerweile auch per Internet und Fax, auch auf Plakatwänden sind Seethalers Zeilen manchmal zu finden. Geld verdient er mit seiner Kunst aber kaum. Der 56-Jährige ist auf Spenden seiner Unterstützer angewiesen.
1995, als die Wiener Verkehrsbetriebe wieder einmal gegen ihren dichtenden Erzfeind behördlich vorgingen, gab es viel Solidarität mit Seethaler. "Es ist schon erstaunlich, wie rigoros Behörden und Verkehrsbetriebe mit einem Künstler umspringen, der nicht zum erlesenen Kreis derer gehört, die aus dem Steuertopf gefördert werden", hieß es damals sogar vom Pressedienst der FPÖ.
Laut seinem Wikipedia-Eintrag hat sich Seethaler mit seiner ungewöhnlichen Poesie im Laufe der Jahrzehnte mehr als 3.000 Klagen und Verfahren eingehandelt. Obwohl der Oberste Gerichtshof seine Kunst als schutzwürdig wertete. Vor allem den Wiener Linien ist Seethaler ein Dorn im Auge. 2005 mussten sogar Polizisten einschreiten, als ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe Seethaler mit Gewalt an der Anbringung seiner Gedichte auf einer Säule in der U3-Station Westbahnhof hindern wollte.
"Kunst muss sich einmischen"
Als Begründung für seine Aktionen gibt Seethaler an, dass sich "Kunst aufdrängen und zu einer gerechteren Welt drängen müsse". Sie dürfe nicht nur von einigen wenigen gewollt werden, sondern sich "unbestellt einmischen und eingreifen".
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