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Porträt

19.03.2009, 10:35
Allmachtsfantasien und große Erschütterung
Allmachtsfantasien und große Erschütterung (Bild: APA/Helmut Fohringer/Apa-Pool)
Ein Mann, der sein Gesicht hartnäckig hinter einem blauen Büroordner verbarg: Dieses Bild von Josef F. gelangte zu Beginn seines Prozesses am Montag ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. Tags darauf wurde der alte Mann mit den schütteren grauen Haaren, der seine Tochter 24 Jahre eingekerkert und regelmäßig missbraucht haben soll, erstmals ohne diesen Schutzschild abgebildet. Am Mittwoch überraschte der bald 74-Jährige, für den die psychiatrische Gutachterin die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher empfiehlt, mit einem vollen Geständnis. "Es hat bei ihm eine große Erschütterung stattgefunden", konstatierte daraufhin sein Verteidiger.

Diese große Erschütterung wurde offenbar durch das Abspielen der auf Video aufgezeichneten Einvernahme seiner jetzt 42-jährigen Tochter ausgelöst, die Unvorstellbares erdulden musste, während F. ein Doppelleben führte, ehe ihr Martyrium in einem engen Kellerverlies im April 2008 ein Ende hatte.

Josef F. habe seine drittgeborene Tochter bewusst als Opfer ausgesucht, stellte Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner fest - sie sei ihm am ähnlichsten gewesen, und deshalb ging es dem Vater darum, gerade ihren Willen zu brechen: Er habe sie gefangen genommen, um Allmachtsfantasien ausleben zu können. Sein Verhalten war demnach nicht auf Vernichtung und Tötung, sondern Dominanz über das Opfer ausgerichtet. Kastner: "Er muss sich unbedingt als mächtig, potent im weitesten Sinn erleben."

Unerwünschtes und ungeliebtes Einzelkind
F. wurde am 9. April 1935 in Amstetten geboren. Er wuchs als - unerwünschtes und ungeliebtes - Einzelkind auf, besuchte in seiner Heimatstadt die Volks- und Hauptschule und absolvierte danach eine Lehre als Elektromechaniker und Elektrotechniker. Die dabei erworbenen Kenntnisse waren ihm Jahrzehnte später nützlich, als er seinen Keller in ein Verlies umbaute, in dem seine Tochter und drei mit ihr gezeugte Kinder unter unvorstellbaren Bedingungen bis zu ihrer Befreiung im April 2008 ausharren mussten.

Nach der Gesellenprüfung begann Josef F. als Elektriker bei der Voest zu arbeiten. Abends besuchte er die Werkmeisterschule und einen Vorbereitungskurs für die HTL. Als er seinen Job verlor, erlahmte auch sein Interesse an schulischer Fortbildung. Mit 34 wurde er Betriebsleiter einer Amstettner Betonfirma, wo er 1971 kündigte, um die österreichische Generalvertretung eines dänischen Betonrohrbau-Unternehmens zu übernehmen. Diese Tätigkeit übte Josef F. bis zu seiner Pensionierung aus.

Parallel dazu schaffte er sich im Lauf der Zeit mehrere Immobilien an, um mit deren Vermietung ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau, die er 1956 geheiratet hatte, pachtete er außerdem eine Pension am Mondsee, die die Frau von 1973 bis 1996 jeden Sommer betrieb. Außerdem führte die Familie in den Jahren 1993 und 1994 in Pacht ein Gasthaus in Aschbach.

Eigene Tochter in Kellerverlies verschleppt
Mit seiner um vier Jahre jüngeren Frau, die zum Zeitpunkt der Heirat noch keine 17 Jahre alt war, zog Josef F. sieben Kinder auf. Die Viertgeborene - damals 18 Jahre alt - verschwand am 29. August 1984. Josef F. ließ seine Familie glauben, das Mädchen hätte sich einer Sekte angeschlossen und sich bewusst aus dem Familienverband verabschiedet. In Wahrheit wurde das Kind vom eigenen Vater in den baulich adaptierten, 18,64 Quadratmeter großen Keller verschleppt, wo er im Lauf der Jahre mit ihr sieben weitere Kinder in die Welt setzte. Ein Bub starb allerdings kurz nach der Geburt Ende April 1996, weil ihm keine ärztliche Hilfe zuteilwurde.

Drei der im fensterlosen Verlies gezeugten Kinder hatten dieses bis zu ihrer Befreiung kein einziges Mal verlassen. Sie waren zu diesem Zeitpunkt 19, 17 und fünf Jahre alt. Die drei anderen wurden vom Ehepaar F. adoptiert bzw. in Pflege genommen, indem Josef F. vorgab, die angeblich verschwundene Tochter habe diese unbeobachtet in bzw. vor dem Mehrparteienhaus in Amstetten abgelegt und die Großeltern ersucht, sich um die Kleinen zu kümmern. Briefe der Tochter schienen das zu belegen. Diese zu verfassen, dürfte ihr Josef F. mit Nachdruck aufgezwungen haben.

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