Die Einkommensschere in der EU betrug nach jüngst von "European Statistical Data Support" und Eurostat veröffentlichten Rohdaten für 2007 im Durchschnitt aller 27 Mitgliedsländer 17,4 Prozent.
Italien, Malta und Polen als Vorbilder
Mit nur 4,4 Prozent Unterschied liegt Italien für die Frauen gesehen am besten. Den zweiten Platz hält Malta mit einem Abstand von 5,2 Prozent vor Polen mit 7,5 Prozent.
Wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte, ist die Einkommensschere kein Indikator für die Gleichstellung in anderen Bereichen. In vielen Ländern mit geringer Frauenbeschäftigungsrate ist der Einkommensunterschied geringer als der Durchschnitt - wie in Malta, Italien, Griechenland oder Polen.
In Staaten mit einer auseinanderklaffenden Einkommensschere wie Österreich, den Niederlanden, Deutschland oder Großbritannien wiederum gebe es einen sehr hohen Anteil von Teilzeitarbeiterinnen, womit der Gehalt von Frauen auch teilweise deutlich niedriger ausfällt als jener der Männer. Zu berücksichtigen ist, dass sich die Ergebnisse auf Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten beziehen.
Spidla: Österreich ist "sehr schlecht" dran
EU-Sozialkommissar Vladimir Spidla hat bei der Präsentation des jüngsten Berichts zur Einkommensschere die Situation in Österreich als "sehr schlecht" bezeichnet. Der Grund dafür sei nicht nur der hohe Anteil von teilzeitarbeitenden Frauen. Dass Österreich hinter Estland mit durchschnittlich 25,5 Prozent weniger Lohn für Frauen am zweiten Platz rangiere, habe "tiefere" Gründe, die in der Gesellschaft lägen.
Einerseits handle es sich hier um die Segregation am Arbeitsmarkt - das heißt, Frauen arbeiten immer noch traditionell in schlechter bezahlten Berufen als Männer -, andererseits darum, dass es immer noch zu wenig Frauen in gehobenen Positionen gebe. "In Österreich sieht man die Konsequenzen, mehr noch als in anderen Ländern". Allerdings, konzedierte Spidla, müsse man die vorliegenden Daten "sorgfältig vergleichen", es sei "sehr schwierig".
Potenzial der Frauen nicht vernachlässigen
Generell betonte der Kommissar, dass man das Potenzial von Frauen für die Wirtschaft nicht vernachlässigen dürfe. Es gebe eine französische Studie, wonach Finanzgesellschaften mit Frauen in den entscheidenden Positionen die herrschende Krise besser überwinden können als vergleichbare Unternehmen, wo nur Männer an den Schalthebeln sitzen. Und eine finnische Studie über 15.000 Klein- und Mittelbetriebe habe gezeigt, dass die von Frauen geführten Unternehmen "um zehn Prozent effizienter" arbeiten als jene von Männern geleiteten Firmen. Deshalb sei es auch wichtig, trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise jetzt das Thema wieder anzugehen. "Das ist die beste Zeit, denn wenn man diskriminiert, ist man niemals effizient", betonte Spidla.
Die Unternehmer forderte der Kommissar auf, bei der Anstellung von Frauen umzudenken. "Wir brauchen qualifizierte Arbeitskräfte." Heute seien vielfach Frauen aufgrund ihrer Ausbildung qualifizierter als Männer. Dies müssten auch die Unternehmer berücksichtigen, "wenn sie nicht Idioten sind".
Er konzedierte jedoch gleichzeitig, dass die Umsetzung des Prinzips gleicher Lohn für gleiche Arbeit zwischen Frau und Mann immer noch "sehr heikel" sei. Was eine Quote betrifft, verwies Spidla darauf, dass es eine derartige Regelung einerseits in Slowenien gegeben habe, dabei habe man aber keine positiven Erfolge verzeichnet, in Norwegen wiederum schon. Eine positive Diskriminierung sei im europäischen Recht als solches nicht vorgesehen, aber es könnten die Mitgliedstaaten gewisse Maßnahmen treffen. Entmutigt fühle er sich aber nicht.
Gleichbehandlung: 14 EU-Länder ermahnt
Angesprochen auf die jüngste Mahnung der EU-Kommission u.a. an Österreich wegen der Nicht-Umsetzung des Gleichbehandlungsgesetzes in einigen Bereichen sagte Spidla, diese Frage sei "noch offen". Österreich stehe hier nicht allein da, die Mahnschreiben seien an 14 EU-Länder gegangen. Konkret hatte die Kommission am 27. November des Vorjahres den zweiten Schritt des Vertragsverletzungsverfahrens mit der Mahnung gestartet, die betroffenen Staaten haben zwei Monate die Möglichkeit zur Stellungnahme.
Im Folgenden der Einkommensunterschied im Stundenlohn von Mann und Frau in den 27 EU-Ländern (Quelle: European Statistical Data Support/Eurostat):
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