Großbritannien-GP

Lewis Hamilton in Silverstone unter Druck

Sport
02.07.2008 13:50
Wende im Titelrennen oder frühes Ende der WM-Hoffnungen: Bei seinem Heimspiel in Silverstone steht Lewis Hamilton unter Druck. Nach den zwei Nullnummern in Kanada und Frankreich muss der 23-jährige McLaren-Mercedes-Pilot beim Großen Preis von Großbritannien am Sonntag das Überholmanöver der Ferrari kontern, will er nicht den Anschluss in Kampf um den Formel-1-Thron verlieren. Doch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug sieht noch keinen Grund zur Panik: "Es ist erst zwei Rennen her, dass wir gewonnen haben." Gute Nachrichten gibt es indes von Toro Rosso: Trotz der Verkaufspläne von Dietrich Mateschitz kann das Team für 2009 planen!

Klar ist aber: Bei einem weiteren Triumph der Scuderia auf dem britischen Traditionskurs droht die Ferrari-Fahrgemeinschaft mit WM-Spitzenreiter Felipe Massa und dem drittplatzierten Kimi Räikkönen schon zur Saison-Halbzeit der silbernen Konkurrenz davonzurasen - auch wenn Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali mit der Ausgangslage nicht ganz zufrieden ist: "Unsere Situation in der Weltmeisterschaft könnte viel besser sein."

Weltmeister und Vorjahres-Sieger Räikkönen rechnet mit einem harten Duell zwischen Rot und Silber. "Ich denke, es wird sehr eng zwischen uns", meinte der 27-Jährige. BMW-Sauber und dessen derzeitigen Chefpiloten und WM-Zweiten Robert Kubica hat Räikkönen zumindest bei dem britischen Klassiker nicht in der Kalkulation: "Ich sehe kein anderes Team, das nah genug ist, um zu gewinnen." Dabei gilt es auch für BMW-Sauber nach dem mäßigen Auftritt in Magny-Cours, sich im McLaren-Land deutlich zu verbessern...

Heimrennen für Hamilton

Im Mittelpunkt wird in Silverstone aber nur einer stehen: Lewis Hamilton. Schon bei den Testfahrten in der vergangenen Woche zeigte sich, dass trotz seiner durchwachsenen Saison die Begeisterung ungebrochen ist. Rund 10.000 Zuschauer schauten der britischen Formel-1-Hoffnung bei den Übungsfahrten zu. Und obwohl der zum Star aufgestiegene Hamilton in diesem Jahr nicht wie 2007 als WM-Spitzenreiter in die Heimat kommt, ist das Grand-Prix-Wochenende seit langem ausverkauft.

Von Freitag bis Sonntag werden 240.000 Zuschauer erwartet, allein zum Rennen werden 90.000 Fans kommen. "Das gibt es nirgendwo sonst und motiviert dich noch ein bisschen stärker als bei anderen Rennen", meinte Hamilton, der bis zum Vorjahr nur 100 Kilometer von Silverstone entfernt im Ort Stevenage lebte. Gerade die dreitägigen Probefahrten in der Vorwoche auf der 5,141 Kilometer langen Strecke haben neue Zuversicht bei McLaren-Mercedes geweckt.

Fans wollen Briten auf dem Podium sehen
Die britischen Fans sehnen sich danach, endlich wieder einen ihrer Landsleute ganz oben auf dem Podium zu sehen. Schließlich waren einheimische Fahrer im "Home of British Motor Racing" schon lange nicht mehr Herr im Haus. Der letzte Sieg eines Briten gelang dem Schotten David Coulthard 2000 im McLaren-Mercedes. Hamilton soll nun die Durststrecke beenden.

Das ist allmählich auch nötig. In der Fahrerwertung rangiert der zweifache Saisonsieger vor dem 9. von 18 Rennen mit zehn Punkten Rückstand auf den führenden Brasilianer Massa (48 Punkte) an vierter Stelle. Vor ihm liegen noch Montreal-Gewinner Kubica (46) und Räikkönen (43). Hamiltons Hoffnung: Im vergangenen Jahr war der Rückstand von Räikkönen zu einem späteren Zeitpunkt noch viel größer zur WM-Spitze. Am Ende schnappte der Finne Hamilton aber noch den Titel weg.

Toro Rosso auch 2009 dabei
Toro Rosso kann trotz der Verkaufspläne von Mitbesitzer Dietrich Mateschitz für die Saison 2009 planen. Der Rennstall habe von Getränke-Milliardär Mateschitz feste Zusagen für das kommende Jahr, sagte Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost am Mittwoch. "2009 wird alles stabil bleiben, nicht nur in Bezug auf die Arbeitsplätze, sondern auch im Hinblick auf das Budget", erklärte Tost mit Blick auf das Versprechen von Mateschitz.

Mateschitz hatte im Frühjahr angekündigt, seine 50 Prozent an dem vor zweieinhalb Jahren von Minardi gekauften Team noch vor 2010 veräußern zu wollen. Wegen des Verbots von Kundenautos ab kommendem Jahr mache der Betrieb von zwei Rennställen keinen Sinn für den Österreicher, hieß es. Die neuen Regeln würden die teure Entwicklung von zwei Boliden erforderlich machen. Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger ist seither auf der Suche nach einem neuen Partner. Als Interessent gilt Ultimate Motorsport aus Großbritannien. "Wir werden sehen, was von 2010 an passiert. Im Moment ist das Team stabil", sagte Tost.

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