Staudamm geöffnet

Tote in Südkorea durch Flutwelle aus dem Norden

Ausland
07.09.2009 18:23
Zwischen Nord- und Südkorea sind in der Nacht auf Montag im wahrsten Sinn der Worte die Wogen hochgegangen: Pjöngjang ließ aus einem gestauten Fluss in Nordkorea überraschend 40 Millionen Tonnen Wasser ab. Die darauffolgende Flutwelle hat in Südkorea mindestens sechs Menschen mit sich gerissen. Die Regierung in Seoul forderte umgehend eine Erklärung Nordkoreas. Von dort hieß es lapidar, man werde vor der nächsten Einleitung einer derartigen "Notmaßnahme" Bescheid geben.

Südkorea hat am Montag insgesamt 3.000 Einsatzkräfte, vorwiegend aber Militär und Polizei, in die Region um den Fluss Imjin, dessen Pegel am Sonntag plötzlich von 2,3 auf 4,6 Meter angestiegen war, zusammengezogen. Bisher wurden drei der vermutlich sechs Toten geborgen, darunter auch ein vierjähriger Bub.

40 Millionen Tonnen Wasser
Der Norden erklärte laut dem südkoreanischen Vereinigungsministerium, das Wasser habe wegen zu hoher Flusspegel dringend abgelassen werden müssen. Bei ähnlichen Vorkommnissen in der Zukunft werde der südliche Nachbar vorab gewarnt, hieß es. Eigentlich besteht seit Jahren ein Abkommen der beiden verfeindeten, seit den Kämpfen in den Fünfzigerjahren formal noch immer im Krieg befindlichen Ländern, dass Pjöngjang bei derartigen Vorhaben eine Vorwarnung abzusenden habe.

Seoul erklärte, die kühle Reaktion aus dem Norden reiche nicht aus. Es sei "sehr bedauerlich", dass darin die Toten vom Sonntag nicht vorkämen. Ein Politiker der regierenden Hannara-Dang-Partei wurde mit den Worten zitiert: "Was auch immer der Grund dafür war, dies ist ein unverzeihbarer krimineller Akt." Südkorea vermutete bereits kurz nach dem Zwischenfall, dass das Anschwellen des Flusses von rund 40 Millionen Tonnen Wasser aus einem neuen nordkoreanischen Staubecken ausgelöst wurde. Premier Han Seung Soo reiste in das Gebiet, um sich ein Bild der Lage zu machen.

Militär setzt auf Deeskalation: "Kein Angriff"
Südkorea ist von offizieller Seite her trotz allem bemüht, den Vorfall nicht eskalieren zu lassen. Das Verteidigungsministerium erklärte am Montag, es gebe keine Hinweise, dass es sich um einen Angriff gehandelt haben könnte. Wahrscheinlicher sei ein Unfall. 

Angesichts des Baus des nordkoreanischen Hwanggang-Staudamms waren im Süden der koreanischen Halbinsel Befürchtungen laut geworden, das Bauwerk rund 40 Kilometer vor der Grenze könne auch zu militärischen Zwecken genutzt werden.

Um derartigen Überschwemmungen vorzubeugen, baut Südkorea in der Region zwei Dämme, die 2011 beziehungsweise 2012 fertiggestellt sein sollen. Als Folge der Flutwelle werde der Bau des ersten Dammes um ein Jahr vorgezogen, erklärte die Regierung.

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