20 Todesopfer

Matrose soll schuld an U-Boot-Unfall sein

Ausland
13.11.2008 14:32
Das dramatische U-Boot-Unglück, das am Wochenende im Japanischen Meer 20 Todesopfer gefordert hat, scheint geklärt. Behörden machen ein Besatzungsmitglied für das Drama verantwortlich. Ein Matrose habe ohne Grund das Feuerlöschsystem des Unterseeboots "Nerpa" ausgelöst, teilte am Donnerstag eine Untersuchungskommission mit. Der Mann habe sein Fehlverhalten bereits zugegeben. Unabhängige Verteidigungsexperten und Kameraden des Beschuldigten befürchten aber, dass der Matrose nur als Sündenbock herhalten muss.

"Die Untersuchungen haben ergeben, dass ein Matrose das Feuerlöschsystem ohne Anweisung und ohne ersichtlichen Grund ausgelöst hat", sagte der Sprecher der Untersuchungskommission, Wladimir Markin. Allerdings setzten die Ermittler ihre Arbeit noch fort. Gegen den Matrosen wurde den Angaben zufolge ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft. Das Verteidigungsministerium in Moskau rief dagegen dazu auf, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Verteidigungsexperten bezweifeln Schuld
Ein Offizier der "Nerpa" nahm seinen Kameraden in Schutz. "Wir glauben nicht, dass er bewusst oder aus Versehen das Feuerlöschsystem ausgelöst hat. Ich diene schon lange mit ihm, seit 2003. Er war kein Anfänger, sondern ein kompetenter Spezialist", sagte der Offizier, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur Interfax. Er glaubt, dass der Matrose unter Druck gesetzt worden sei, um ein Geständnis abzugeben.

"In Russland gibt es immer die Neigung, einen Sündenbock zu suchen", sagte der Verteidigungsexperte Pawel Felgenhauer der Nachrichtenagentur AFP. Ursache für die meisten dieser Unglücke sei der Mangel an qualifiziertem Personal seit dem Ende der Sowjetunion. Alexander Golz, Verteidigungsfachmann beim Magazin "Jeschednewni Journal", nannte es "absolut unfair", dass ein einzelner Matrose an dem Drama schuld sein solle.

Waren die Gasmasken defekt?
Medienberichten zufolge könnten auch defekte Gasmasken für eine große Zahl der Toten verantwortlich sein. Die Boulevardzeitung "Twoi Den" zitierte den Offizier Jewgeni Owsjannikow, dessen Maske nur "sieben bis 15 Minuten" funktioniert habe. Ein anderer Überlebender, Dmitri Usachjow, sagte, einige der Toten seien mit aufgesetzten Gasmasken gefunden worden. "Die Masken haben einfach nicht funktioniert", sagte Usachjow dem Blatt.

Die Opfer des Unfalls waren erstickt, nachdem das von der Löschanlage freigesetzte Gas Freon der Luft den Sauerstoff entzogen hatte. Bei Freon handelt es sich um einen Kunstnamen für Difluordichlormethan, eine Kohlenwasserstoff-Verbindung, die unter anderem auch als Kältemittel in Kühlschränken verwendet wurde. 

Unglück passierte während Testfahrt
Das Unglück am Samstag vergangener Woche, bei dem auch 21 weitere Menschen verletzt wurden, war der schlimmste U-Boot-Unfall in Russland seit der Katastrophe auf der "Kursk", bei der vor acht Jahren 118 Personen starben. Generalstabschef Nikolai Makarow bezeichnete die "Nerpa" am Mittwoch dennoch als "voll einsatzfähig". Das Schiff werde nun endgültig zur Nutzung durch die Marine zugelassen. Russische Medien, darunter die Zeitung "Kommersant", hatten berichtet, das U-Boot habe ursprünglich an Indien verkauft werden sollen.  

17 Zivilisten unter den Opfern
Unter den Todesopfern auf der "Nerpa", die zur atomar betriebenen Jagd-U-Boot-Klasse "Hecht" (NATO-Bezeichnung "Akula-II") gehört, waren drei Marineoffiziere und 17 Zivilisten, darunter auch Konstrukteure und Techniker. Das Unterseeboot legte schließlich Sonntag früh im Gebiet Primorje am Stützpunkt Bolschoi Kamen rund 130 Kilometer von der Basis der russischen Pazifikflotte in Wladiwostok an. Es sei keine erhöhte Radioaktivität festgestellt worden. Das Unglück ereignete sich demnach im Bug des Bootes, nicht im Heckteil, wo die Atomanlagen sind, hieß es von offizieller Seite.

Atom-U-Boot noch nicht fertiggestellt
Experten wiesen darauf hin, dass das Atom-U-Boot noch in der Herstellung war und die Verantwortung daher beim Schiffbauwerk Amur in der Stadt Komsomolsk-am-Amur liege. Nach Darstellung eines Marinesprechers sollte das Boot Ende dieses Jahres in Dienst genommen werden. Russische Medien berichteten, dass sich die Fertigstellung mehrfach verzögert hatte.

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