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Zweiunddreißig Kilo

Bilder gegen den Dünn-Lifestyle
Bilder gegen den Dünn-Lifestyle (Bild: Ivonne Thein)
Die Fotografin Ivonne Thein sorgte in Deutschland mit der Ausstellung „Zweiunddreißig Kilo“ für Aufsehen. Sie hat mittels Photoshop-Technik normalgewichtige Frauen in Magersüchtige verwandelt. Die Bilder sind ästhetisch und schockierend. Und sie machen auf ein sehr ernstes Thema aufmerksam: Magersucht als Lifestyle-Phänomen und Form der Selbstverwirklichung.

Karl Lagerfeld hat das krankhafte Aussehen einer Amy Winhouse, die auf Storchenbeinen daherkommt, gerade als „Heroin-Chic“ zum Trend erklärt. Hollywood-Aktricen hungern so lange, bis sie nur noch Haut und Knochen sind. Die Fotos gehen um die Welt – und wirken leider oft nicht mehr so abschreckend, wie es eigentlich sein sollte. Denn zu lange ist es schon gang und gäbe, dass in der  Modefotografie schlanke Models digital noch schlanker gemacht werden. Die Bilder suggerieren ein Schönheitsideal, das es in Wahrheit nicht gibt. Unsere Wahrnehmung ist leider allzu oft bereits gestört.

Warnung vor „Pro-Ana“-Bewegung
Ivonne Thein hat selbst solche Bilder gemacht. Doch dann hat sie in einer Zeitschrift einen Artikel über die Pro-Magermagersuchtbewegung „Pro-Ana“ gelesen. Die Anhänger von „Pro-Ana“ („Pro Anorexie“) und „Pro Mia“ („Pro Bulimia“) haben Magersucht und Brechsucht zum Lifestyle erklärt. Im Internet tauschen sie sich aus, geben sich Tipps zur Gewichtsreduktion und stellen Fotos von sich online, die ihre Magerkeit verherrlichen. Auf den entsprechenden Webseiten finden sich auch viele Bilder von mageren Stars, die digital noch dünner gemacht wurden und so als Ikonen der „Pro-Anas“ gefeiert werden. Nachdem Ärzte weltweit vor diesen Anorexie-Anleitungswebsites gewarnt haben, haben sich viele Internetprovider entschieden, Foren und Webseiten zu diesem Thema zu sperren.

Es kann jeden treffen
Thein hat für ihre Fotoserie normalgewichtige Frauen aus ihrem Bekanntenkreis fotografiert und danach verändert. Die abgelichteten Frauen reagierten schockiert auf die Bilder und erkannten sich selbst nicht mehr. Die anorektischen Frauen auf den Bildern hatten nichts mehr mit ihnen zu tun. Die Künstlerin grenzt sich damit bewusst von der Modefotografie ab und will damit zeigen, dass die Krankheit Anorexie jeden treffen kann. Denn der Schritt zwischen extrem schlank und krankhaft dünn ist oft nur ein kleiner.

Zehn Bilder aus der Ausstellung findest du in der Infobox.

Anorexie ist eine Krankheit
Die Frauen auf den Bildern sind mit Bandagen eingeschnürt. Sie können aus ihren Körpern nicht heraus, sind Gefangene dieses Lebensstils. Doch Anorexie ist kein Lifestyle, Magersucht ist eine Krankheit, die behandelt werden muss. Denn: Magersucht kann tödlich enden.

Ohne Nahrung und Nährstoffe kann der Körper nicht funktionieren. Brüchige Nägel, unansehnliche Haare und eine schlechte Haut sind die harmlosesten Auswirkungen. Viele Magersüchtige sterben an Organversagen, weil Herz oder Nieren aufhören zu arbeiten. Außerdem ist das Immunsystem geschwächt, was Krankheiten Tür und Tor öffnet. Typisch sind auch Herz- und Kreislaufstörungen, weil dem Körper zum Beispiel Kalium fehlt.

200.000 betroffene Österreicherinnen
In Österreich leiden Schätzungen zufolge rund 200.000 Frauen an Essstörungen. Seriöse Hilfe gibt es im Internet, zum Beispiel bei der Österreichische Gesellschaft für Essstörungen, der Wiener Esstörungs-Initiative "S-O-Ess", beim Netzwerk Essstörungen, beim Institut „So What“ oder bei der Selbsthilfegruppe „setpoint“. Die Links findest du in der Infobox.

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