"EU-Skandal um Porno-Plakate: Künstler verhöhnen Politiker" ("Bild"), "Österreicher außer Rand und Band" ("Blick"), "Porno-Poster beschämen neuen EU-Führer" (CNN) – in derart vielen Medien wurde Österreich selten genannt. Zweifelhafte Promotion, gerade zu Beginn der österreichischen EU-Präsidentschaft. (Mehr Reaktionen siehe Linkbox!)
Alle Plakate verschwunden
Was Bundeskanzler Wolfgang Schüssel nicht veranlassen konnte, taten die Künstler nun - unter dem Druck der Öffentlichkeit - von sich aus: Die umstrittenen Sujets der EU-Plakatserie der "25 Peaces" von Carlos Aires und Tanja Ostojic wurden von Monteuren am Freitag entfernt.
"Öffentliche Zensur"
Ostojic empfinde die Polemik um ihr Werk, das den mit einem EU-Slip bekleideten Unterleib einer Frau zeigt, als "öffentliche Zensur", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Aires zieht seine Werke von sich aus zurück, um "eine Monopolisierung des Gesamtprojekts" aus Rücksicht auf die anderen Künstler zu vermeiden. Die "Polemiken und Unterstellungen sowie die Nichtbereitschaft der Öffentlichkeit, sich inhaltlich mit den künstlerischen Aussagen zu beschäftigen", haben die Künstler zu ihren Reaktionen veranlasst, hieß es in der Aussendung.
Plakate kommen in die Bibliothek
Was passiert nun mit den nicht ganz jugendfreien Fotos? "Je ein Exemplar kommt in die Stadt- und Landesbibliothek sowie in die Nationalbibliothek", so Karl Javurek, Leiter der Werbeagentur Gewista. Der Rest musste gleich weggesperrt worden, denn das Interesse an den Sujets ist enorm. Javurek: "Bei uns laufen die Telefone heiß. Alle wollen die Fotos haben. Doch wir besitzen zu wenige, um sie einfach so zu verteilen."
Plassnik: "Nicht sehr hilfreich"
Als "nicht hilfreich" hat Außenministerin Plassnik die umstrittene Plakatserie zur EU-Präsidentschaft empfunden. Ihre Arbeit sei es, in Österreich das Europagefühl zu verstärken: "Dazu hat diese Aktion wirklich nicht beigetragen", meinte sie am Donnerstagabend in der "Zeit im Bild 2".
Gabi Burgstaller: "Widerlich und sexistisch"
Die Porno-Plakate zum EU-Präsidentschaftsauftakt Österreichs lösten landesweit Empörung aus: Salzburgs Landeshauptfrau Burgstaller bezeichnete die Aktion als "widerlich und sexistisch - so werde man die EU dem Bürger nicht näher bringen". In Salzburg sollen die Sujets deshalb auch von vornherein nicht gezeigt werden.
Prammer: "Herabwürdigend!"
Alarm schlug auch die zweite Nationalratspräsidentin Prammer (SPÖ), die scharfe Kritik übte, wie hier "Frauen in sexistischer, herabwürdigender Weise öffentlich zur Schau gestellt werden".
Strache ortet "Gruppensex-Phantasien"
Für FPÖ-Obmann Strache "zeigen die Plakate einmal mehr das Sittenbild dieser österreichischen schwarz-orangenen Bundesregierung." Er ortete "Gruppensex-Phantasien", sein Salzburger Parteikollege Schnell forderte die Entlassung der Verantwortlichen.
Foto: Erwin Janes