Islamisten-Kämpfe
22 Tote bei Gefecht im Gazastreifen
Scheich Abdel Latif Abu Mussa hatte zuvor in seiner Moschee in Rafah während des Freitagsgebets die Hamas herausgefordert: Weil die Hamas "verweltlicht" sei und nicht ordentlich die Scharia, das islamische Gottesrecht, eingeführt habe, erklärte er den Gazastreifen zum "Islamischen Emirat".
Der arabische TV-Sender Al Jazeera übertrug die Predigt des bärtigen Abu Mussa aus dem Gotteshaus. Auf den Bildern war zu sehen, dass der Geistliche von vermummten bewaffneten Männern umringt war. Einer von ihnen trug angeblichen einen Sprengstoffgürtel.
Hamas greift an
Der "militärische Arm" der Hamas verlegte daraufhin Truppen nach Rafah. Sie umzingelte die Moschee, in der sich der Scheich und seine bewaffneten Gläubigen versammelt hatten. Die folgenden Kämpfe forderten die 22 Todesopfer und mindestens 150 Verletzte.
Das vierstöckige Wohnhaus des abtrünnigen Scheichs wurde danach mitsamt seinen Bewohnern gesprengt. Das halb eingestürzte Gebäude sei explodiert, möglicherweise wegen darin gelagertem Sprengstoff, verlautbarte die palästinensische Nachrichtenagentur Maan. Die Hamaskämpfer sperrten das Gebiet rund um das Gebäude großräumig ab und ließen keine Ambulanzen durch, um möglichen Verletzten zu helfen.
Moschee beschossen
Die Moschee, in der Scheich Abu Mussa vor laufenden Kameras "Eine neue Geburt, die Geburt des islamischen Emirats" verkündet hatte, wurde mit Granaten beschossen. Nach Hamas-Angaben kam Mussa bei den Auseinandersetzungen ums Leben. Unter den Toten befände sich neben Mussa auch Abu-Jibril Shimali, Kommandant der Izzadin al Qassam Brigaden. Obgleich die Hamas bestreitet, vor drei Jahren den israelischen Soldaten Gilad Shalit in den Gazastreifen entführt zu haben und seitdem dort an einem unbekannten Ort festzuhalten wird, gilt Shimali nach israelischen Angaben als jener Hamas-Kommandant, der die Entführung geplant und ausgeführt habe.
Ein Sprecher der Hamas-Regierung erklärte den meuternden Scheich für "verrückt". Taher al-Nouno, ein Sprecher des de-facto-Premierministers Ismail Haniyeh sagte: "Wir behandelten sie wie eine illegale Gruppe mit Gewehren und Waffen. Jedes Mitglied der Gruppe sollte aufgeben." Die israelische Zeitung Jerusalem Post bezeichnete den bewaffneten Aufstand der extremistischen Al-Kaida-Gruppe als eine gefährliche Herausforderung für die radikal-islamische Hamas-Organisation, die mit gewaltsamen Mitteln versuche, ihre völlige Kontrolle des Gazastreifens durchzusetzen und keinen inneren Widerstand dulde.
"Von Al Kaida inspiriert"
Jund Ansar Allah hatte ihre Existenz vor zwei Monaten bekannt gegeben, als drei ihrer Männer, auf Pferden reitend, bei einem Angriff auf eine israelische Grenzpatrouille ums Leben kamen. Angeblich hätten sich viele Hamas-Leute dieser neuen, noch radikaleren Organisation angeschlossen. Abu Mussa soll während seiner Predigt am Freitag erklärt haben, dass seine Gruppe von Osama bin Ladens Al Kaida "inspiriert" sei. Der Geistliche rief zum Krieg gegen den Westen auf.
Die Hamas kritisierte er, weil sie weiterhin an weltlichen Gesetzen der Autonomie-Behörde festhalte, anstatt islamisches Recht eingeführt zu haben. Ebenso kritisierte er die Hamas wegen ihrer Zustimmung zu einem Waffenstillstand mit Israel und wegen Kontakten mit westlichen Politikern, darunter dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter. Obgleich die Hamas wie Al Kaida eine Vernichtung Israels anstrebt und in ganz Palästina ein islamisches Kalifat gründen will, befolgt sie nicht das Ziel eines umfassenden Krieges gegen den Westen, heißt es in Agenturberichten.







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