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Tod von Jörg Haider

17.10.2008, 12:12
Verschwörungstheorien rund um Unfalltod
Verschwörungstheorien rund um Unfalltod (Bild: EPA)
In der Folge des Unfalltodes des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider kursieren in Teilen der Kärntner Bevölkerung und in diversen Internetforen zum Teil krause Verschwörungstheorien zum Hergang des Unglücks. Als "Zurechtbiegen der Realität" bezeichnete der Psychologe Klaus Ottomeyer dieses Phänomen. Haider war in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober in der Nähe von Klagenfurt mit weit überhöhter Geschwindigkeit von der Straße abgekommen, er hatte 1,8 Promille Alkohol im Blut.

Vor allem die Gerüchteküche im Internet brodelt. So wird auf einer Seite etwa der israelische Geheimdienst Mossad ins Spiel gebracht. "Ob jetzt der Autounfall von Jörg Haider tatsächlich ein Unfall war oder ein Attentat, wird mit Sicherheit nicht so schnell geklärt werden, wenn überhaupt," schreibt ein Internetnutzer.

Rätsel um Lokalbesuche
Für Verunsicherung sorgt auch das Rätselraten darüber, in welchen Lokalen Haider seine letzten Lebensstunden verbracht hatte. Weiters hatte Haider-Sprecher Stefan Petzner angegeben, sich wenige Stunden vor dem Unfall von einem "stocknüchternen" Landeshauptmann verabschiedet zu haben. Das nährt Gerüchte, wonach irgendjemand Haider etwas in ein Getränk geschüttet haben könnte. Augenzeugenberichten zufolge hat Haider jedoch in einem Szene-Lokal in der Klagenfurter Innenstadt unmittelbar bevor er in seinen Wagen gestiegen ist noch Alkohol getrunken.

Fakten werden "zurechtgebogen"
Der Universitätsprofessor an der Alpen Adria Universität Klagenfurt, Klaus Ottomeyer, betrachtet die Angelegenheit naturgemäß vom wissenschaftlichen Standpunkt. "Die Verschwörungstheorie biegt Fakten zurecht, damit der Glaube - in den ich sehr viel investiert habe - erhalten bleiben kann und auch mein Selbstwertgefühl in keine Krise kommt", erklärte Ottomeyer. In Fachkreisen würde mann von der "Reduktion einer kognitiven Dissonanz" sprechen.

Das Phänomen trete dann auf, wenn Menschen im psychologischen Sinn eine große Investition getätigt hätten. Plötzlich würden sie mit Fakten konfrontiert und bemerken, an ein "irreführendes Projekt" geglaubt zu haben. "Da beginnt das Zurechtbiegen der Realität", sagte der Psychologe.

Beispiel Vietnamkrieg
Als Beispiel dieses Phänomens in der Weltgeschichte nannte Ottomeyer das Verhalten der Amerikaner im Laufe des Vietnamkriegs. Die Menschen hätten zwar bald gewusst, dass dieser Krieg verloren werden würde, hätten sich aber der Realität lange verweigert. "Diese Zurechtbiegen wird mit der Zeit allerdings immer schwieriger", meinte Ottomeyer.

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