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AUA-Versammlung

Austrian-Airlines-Chef Ötsch unter Druck
Austrian-Airlines-Chef Ötsch unter Druck (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Turbulent verlaufen ist die Hauptversammlung der Austrian Airlines am Mittwoch, auf der eigentlich ein monatelang vorbereiteter Deal mit dem austro-saudischen Investor Mohamed Al Jaber abgesegnet werden sollte. Mehr als elf Stunden lang mussten sich AUA-Chef Alfred Ötsch, seine Vorstandskollegen Peter Malanik und Andreas Bierwirth sowie AR-Präsident Peter Michaelis teils harte Aktionärskritik anhören, bevor schließlich doch die wesentlichen Beschlüsse mit klarer Mehrheit gefasst wurden, insbesondere die Bestellung von Al-Jaber-Mann Klaus Edelhauser in den Aufsichtsrat, die strittige Kapitalerhöhung und die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat.

Auch weitere Forderungen des arabischen Scheichs bekannt: Al Jaber fordert ein Vorstandsmitglied, einen weiteren Aufsichtsrat und ein Kostensenkungsprogramm - und dem Vernehmen nach auch den Kopf von AUA-Chef Ötsch. Vor dem Wochenende hatte Al Jaber seinen bereits ausverhandelten Einstieg bei der AUA mit 150 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung in einem Brief an die AUA-Spitze zurückgezogen - zumindest zu den bisher bekannten Bedingungen.

Kritische Kleinaktionäre fuhren schwere Geschütze auf, deren Wirkung gegen Ende der Versammlung den Podiumsmitgliedern auch deutlich anzusehen war. Markige Wortgefechte erinnerten stellenweise an ein Tribunal. Viele Einzelheiten des paktierten Deals mit Al Jaber blieben unklar, es wurde aber offensichtlich, dass sich die AUA-Führung die Sache anders vorgestellt hätte. Die Behauptung eines kritischen Aktionärs, Vorstand und Aufsichtsrat seien dem arabischen Investor "auf den Leim gegangen", blieb im wesentlichen unwidersprochen. Kritische Aktionäre behielten sich sogar die Möglichkeit einer Anfechtung der Hauptversammlung an, wofür sie 30 Tage Zeit haben.

Spekulationen um strategischen Partner
Seit Tagen wird spekuliert, dass die AUA nun wohl nicht mehr ohne Partner aus der Airlinebranche auskommt, häufig wird die Lufthansa genannt, aber auch andere Airlines wie Emirates. Ötsch tritt für eine Stand-alone-Variante ein, er sprach sich klar für einen Verbleib im Luftfahrtbündnis Star Alliance mit der Lufthansa aus. Die Frage eines möglichen strategischen Partners werde laufend evaluiert, sagte ÖIAG-Vorstand und AUA-Präsident Peter Michaelis. Die ÖIAG habe dazu aber keinen klaren politischen Auftrag.

Mehrere Kleinaktionäre sprachen sich für einen Abgang von Ötsch aus, dem von mehreren Seiten angekreidet wird, dass sich der arabische Investor Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber wieder von seiner ausverhandelten Investition in die AUA zurückgezogen hat. Er habe nicht um seine Entlassung aus dem Vertrag gebeten, erklärte Ötsch auf Anfrage. "Schade", war leise, aber deutlich aus dem Publikum zu hören.

"Aktionärspolitische Steinzeit"
Trotz intensiver mehrstündiger Verhandlungen in der Nacht auf Mittwoch ist es der Beteiligungsholding ÖIAG und Finanzminister Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) nicht gelungen, Al Jaber zurück an Bord zu holen. Man sei aber "auf gutem Weg, das verlorene Vertrauen wieder herzustellen", gab sich Michaelis zuversichtlich. Manche Anleger kritisierten die Rolle der Politik in der AUA. So sei nicht verständlich, was Vizekanzler Molterer mit Al Jaber zu verhandeln habe, hieß es etwa. Es sei "aktionärspolitische Steinzeit", wenn sich Politiker bei der AUA einmischten.

Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger machte Ötsch persönlich für den "Tiefflug der AUA in den vergangenen Jahren mitverantwortlich". Ötsch hatte vor zwei Jahren die Nachfolge an der AUA-Spitze nach Vagn Sörensen angetreten, nachdem er zuvor jahrelang als Siemens-Manager dem AUA-Aufsichtsrat angehört hatte.

Es gehe für die AUA bei der Kapitalerhöhung offenbar darum, eine rechtliche Position für künftige Schadenersatzklagen zu haben, mutmaßte der Kleinaktionärssprecher Rupert-Heinrich Staller. Er stellte die Frage in den Raum, ob nicht vielleicht der frühere Finanzvorstand Thomas Kleibl sein Amt zurückgelegt habe, weil er bei dieser Transaktion nicht zustimmen wollte.

Al Jaber fühlt sich in die Irre geführt
Al Jaber, der in Wien zwei Luxushotels betreibt, hatte seinen Rückzug von der geplanten Investition angekündigt, nachdem dem AUA im ersten Quartal 2008 einen unerwartet hohen Verlust von 60 Mio. Euro veröffentlichen musste. Er fühle sich vom AUA-Management, das wenige Wochen vorher die AUA als saniert bezeichnet hatte, in die Irre geführt. AUA-Chef Ötsch wies Vorwürfe der Irreführung zurück. Sehr wohl entschuldigte er sich bei den Aktionären aber für "Irritationen".

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