Ein Mars-Flug, den Russland ab 2035 plant, wäre nicht nur eine technische Herausforderung, sondern vor allem eine Belastung für die Crew. In dem Experiment müssen es die Teilnehmer auf 200 Quadratmetern eineinhalb Jahre miteinander aushalten, ohne einander auf die Nerven zu gehen. Wie bei einem richtigen Flug zum Roten Planeten sind 250 Tage hin und 240 Tage zurück eingeplant. Hinzu kommen 30 Tage Landeanflug und Aufenthalt.
"Unser Hauptinteresse sind die psychologischen Faktoren", beschreibt ESA-Forscher Marc Heppener das "Mars500" genannte Projekt, das auf russischer Seite vom Moskauer Institut für Biomedizinische Probleme organisiert wird. Spannungen zwischen den Crew-Mitgliedern oder die Folgen des langen Eingesperrtseins auf engstem Raum könnten bei einem echten Flug die gesamte Mission gefährden.
Mars-Experiment in vier Containern
Vier Container stehen in der russischen Hauptstadt bereit, um das Mars-Experiment so realistisch wie möglich zu gestalten: Ein Wohnmodul mit Steuereinheit, Schlafkojen und Küche, ein medizinisches Labor, ein Container mit Fitnessraum und Vorratskammer sowie ein Landemodul, in das sich Crewmitglieder bei der simulierten Ankunft auf dem Mars setzen werden. Danach sollen sie im Raumanzug auch aussteigen und Experimente in einer nachgebildeten Marslandschaft durchführen. Videokameras zeichnen so gut wie alle Ereignisse auf. Nur in den Kojen der Teilnehmer wird nicht gefilmt.
Auch die Kommunikationsverzögerung mit der Erde wird simuliert. Wie bei einem echten Flug braucht ein Funkspruch vom Mars 20 Minuten nach Hause. Weitere 20 Minuten vergehen, bis die Antwort eintrifft. Selbst bei schweren medizinischen Notfällen soll die Container-Besatzung, zu der ein Arzt gehört, auf sich selbst gestellt bleiben. Wo die Schwelle liegt, ab der doch von außen eingegriffen wird, muss noch festgelegt werden.
Frischnahrung aus Gewächshäusern
"Die begrenzte Versorgung mit Nahrung könnte zu zusätzlichen Spannungen unter der Crew führen", erklärt Heppener. Jedes Gramm ist wie bei einem richtigen Raumflug kalkuliert. Die einzige Frischnahrung soll aus einem Gewächshaus kommen, wo etwa Salat angebaut werden soll. Anders als geplant müssen die Moskauer Versuchskaninchen aber nicht ihren eigenen Urin trinken. Der sollte ursprünglich wie in einem Raumschiff in einem geschlossenen Wasserkreislauf wiederaufbereitet werden. Dies erwies sich aber als technisch nicht machbar.
Bewerbung im Internet
Auf der ESA-Website (siehe Infobox) können Formulare im PDF-Format heruntergeladen werden. Einmal ausgefüllt, schickt man die Dokumente an die ESA, dann bleibt nur noch zu hoffen, dass man sich als "Marsmännchen" eignet.