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17.08.2017 - 09:09
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"Ich geh nicht mehr in den Kindergarten!"

27.10.2015, 09:44
Vielen Eltern kommen Sätze wie dieser bekannt vor. Dabei hat die erste Zeit im Kindergarten gut geklappt: Das Kind hat sich mehr oder weniger rasch eingewöhnt und eigentlich auch wohlgefühlt. Und dann von einem Tag auf den anderen kam die plötzliche Verweigerung. Woran das liegen kann und was man dagegen tun kann, erfahren Sie hier.

Oft kommen derartige Streikphasen nach der aufregenden Zeit der Eingewöhnung. War es zunächst noch spannend, ein Kindergartenkind zu sein, erkennt es nun nach der ersten Euphorie auch die Nachteile: Mama und Papa sind nicht immer da. Man hat nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit der Betreuungsperson im Kindergarten. Es sind viele andere Kinder da, mit denen man teilen und oft auch streiten muss. Besonders schwierig wird es, wenn Mama oder Papa gleichzeitig mit einem kleinen Geschwisterkind daheim sind. Denn dann sind Eifersucht und das Gefühl, abgeschoben zu werden, möglicherweise auch ein Thema.

Kommen dann noch einzelne Erlebnisse dazu, die dem Kind schlichtweg peinlich sind, gibt es nur mehr eine Reaktion: Streik! Denn auch kleinen Kindern können scheinbar harmlose Erlebnisse sehr unangenehm sein: Es wurde vom Erzieher im Kindergarten ermahnt, es hat etwas kaputt gemacht, es durfte bei einer Gruppe von Kindern nicht mitspielen. Oder es wollte keinen Erzieher um Hilfe beim Klogehen fragen und dann ist ihm ein Malheur passiert. Es hat in einer Situation zu weinen begonnen, obwohl es das nicht wollte.

Von derartigen Erlebnissen erfahren Sie aber von Ihrem Kind oft nichts. Denn einerseits müssen manche Dinge nach dem Abholen vom Kindergarten von ihm erst verarbeitet werden. Andererseits sind sie ihm vielleicht so unangenehm, dass es gar nicht darüber sprechen kann oder will. Wenn Sie fragen, wie es im Kindergarten war, erhalten Sie daher oft nur einsilbige Antworten von Ihrem Kind und erleben am nächsten Tag den Weinkrampf oder Wutausbruch, wenn Ihr Kind nicht mehr an diesen "Ort des Schreckens" zurückkehren möchte.

Ursachenforschung

Reden Sie mit dem Erzieher. Oft kann Ihnen der Pädagoge weiterhelfen, was sich untertags ereignet hat. Wenn nicht, setzen Sie ihn über das Verhalten Ihres Kindes in Kenntnis und bitten Sie um genauere Beobachtung, damit man den Auslöser finden kann, wenn er im Bereich des Kindergartenalltags zu suchen ist.

Haben Sie den Verdacht, dass Eifersucht wegen einem Geschwisterchen oder Trennungsängste die Ursachen sein könnten, wird es ein wenig schwieriger. Kinder spüren, wenn Sie selbst Zweifel haben, ob die Entscheidung, es schon in den Kindergarten zu geben, richtig war. Sie müssen daher selbst mehr Sicherheit bekommen und diese auch an Ihr Kind weitergeben.

Lösungswege

Reden Sie offen mit Ihrem Kind und versuchen Sie herauszubekommen, wo der Schuh aus seiner Sicht drückt. Merken Sie, dass Ihr Kind wirklich noch nicht so weit ist, den Kindergarten zu besuchen, können eine Auszeit von einem halben Jahr und ein erneuter Einstieg eine brauchbare Option sein. Das sollte aber erst die letzte Konsequenz sein. Denn allein die finanziellen und beruflichen Rahmenbedingungen lassen es nicht immer zu, dass man die "Babypause" verlängert. Und die meisten Kinder, die Schwierigkeiten im Kindergarten haben, schaffen es nach ein paar Wochen schlussendlich doch, sich wieder damit zu arrangieren.

Sie müssen einerseits Verständnis für die Gefühle Ihres Kindes zeigen, andererseits aber auch durch Konsequenz Sicherheit vermitteln. Halten Sie sich an die Empfehlungen der Kindergartenpädagogen, da diese mit schwierigen Phasen Erfahrung haben. Nach Erlebnissen, die für Ihr Kind unangenehm waren, sollten Sie Ihrem Kind Verhaltensstrategien aufzeigen, wie es solche Erlebnisse in Zukunft vermeiden kann. Zeigen Sie ihm, dass Sie es lieb haben, egal was passiert ist, und sorgen Sie für viele positive Erlebnisse, die sein Selbstvertrauen wieder steigern.

Nicht aufgeben!

Auch wenn es schwerfällt: Bleiben Sie konsequent. Halten Sie die Verabschiedung in der Früh möglichst kurz und versuchen Sie, keine Diskussion aufkommen zu lassen. Sagen Sie Ihrem Kind, dass Sie es lieb haben und dass Sie es zu Mittag wieder abholen. Reden Sie mit dem Kindergartenbetreuer, ob Ihr Kind sein Lieblingsstofftier als Seelentröster mitnehmen kann, wenn es das will.

Zeigen Sie Ihre Unsicherheit, Sorgen oder Ängste nicht, sondern vermitteln Sie Zuversicht und wecken Sie Vorfreude auf den Tag. Bringen Sie Ihr Kind morgens so früh wie möglich hin. Dann sind noch wenige Kinder da und es kann in Ruhe ankommen. Einerseits ist dadurch der Anschluss an Kinder, die ebenfalls früh kommen, noch leichter möglich, weil es sich nicht in später schon bestehende Gruppen einbringen muss - denn das ist gerade für schüchterne Kinder ein großer Kraftakt und sorgt für Ängste. Andererseits hat nun auch die Betreuungsperson noch mehr Zeit und kann sich besser um die Bedürfnisse einzelner Kinder kümmern.

Loben Sie jeden kleinen Fortschritt, den Ihr Kind macht. Sagen Sie ihm, wie toll Sie es finden, wenn es ohne Weinen in der Früh Abschied nimmt. Freuen Sie sich erkennbar über alles, was Ihr Kind Ihnen erzählt. Auch so verstärken Sie, dass es von seinen Erlebnissen berichtet. Wenn es Ängste und Sorgen mitteilt, nehmen Sie das ernst und zeigen Sie, dass Sie ihm bei der Erarbeitung einer Lösung helfen.

27.10.2015, 09:44
lhi/red
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