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16.08.2017 - 20:42
Foto: thinkstockphotos.de

Der "kleine" Unterschied

26.11.2015, 09:45

Ticken Mädchen und Buben wirklich so unterschiedlich und zeigen bald ganz andere Interessen? Oder ist es größtenteils anerzogen?

Spätestens beim Betreten des Kinderzimmers wird deutlich, ob eine kleine Prinzessin oder ein kleiner Prinz darin spielt und schläft. Und das im 21. Jahrhundert, in dem alles "normal" und so vieles erlaubt ist und es schon lange keine strikte Trennung zwischen klassischen Buben- und Mädchensachen gibt. Oder ist es doch nur ein Klischee, das sich hartnäckig hält? Was steckt dahinter?

Als Ursache wird gern die Evolution angeführt. Männer seien darauf angewiesen gewesen, in Gefahrensituationen schnelle Entscheidungen zu treffen und ebenso rasch - und nicht immer sehr überlegt - zu handeln, wobei ihnen auch das Hormon Testosteron den nötigen Kick verpasste. Frauen hingegen hätten die Kinder aufgezogen und mit diesen kommuniziert.

Bereits in der Schwangerschaft beginnt bei Buben die Produktion des männlichen Geschlechtshormons Testosteron - und zwar ab der 8. Schwangerschaftswoche. Nach der Geburt ist der Testosteronspiegel so hoch wie bei einem Zweijährigen und sinkt in den folgenden Monaten um etwa 80 Prozent ab. Buben haben ab drei Jahren einen Hormonschub. Der Testosteronspiegel verdoppelt sich dann im vierten Lebensjahr. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn kleine Draufgänger in diesem Alter wilder sind und mehr Bewegung und gezielte Erziehungs- bzw. Beschäftigungsmaßnahmen brauchen.

Konfliktlösung beibringen

Für Buben ist auch ganz wichtig, männliche Rollenvorbilder zu haben. Väter spielen anders als Mütter. Sie sind weniger vorsichtig und fördern den Entdeckergeist. Auch wenn der Rabauke "furchtbar stark" sein möchte und gerne rauft, sollten ihm die Eltern bald das kleine Einmaleins der Kommunikation - andere ausreden zu lassen, gut zuhören - und Konfliktlösung beibringen. Mama und Papa tun auch gut daran, gezielt das Sprachvermögen zu fördern - ihm viele Geschichten, Reime und Gedichte vorzulesen. Fördern Sie auch die Feinmotorik Ihres Sprösslings mit Basteln, Kneten und Malen.

Mädchen und Jungen dürfen dieselben Gefühle haben und auch zeigen. Sprüche wie "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" sollten endgültig der Vergangenheit angehören. Genauso wie die Annahme, Mädchen würden sich nur wenig für Technik interessieren. Geben Sie Ihrer Tochter die Möglichkeit, in diese Welt einzutauchen. Trichtern Sie ihr auch bitte nicht ein, sie dürfe sich nicht schmutzig machen und möge immer artig sein. Mädchen dürfen auch wütend sein und schreien und toben. Mit anderen oder Papa spaßhalber zu rangeln fördert das Einschätzen ihrer Körperkraft. Erzählen Sie ihr von mutigen Frauen, trauen Sie ihr etwas zu und lernen Sie ihr, für ihre Anliegen einzutreten. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Leserfrage: Mein Sohn (5) trägt gerne rosa Kleidung und wird dafür gehänselt - was soll ich tun? Eltern- Kids- Coach Nina Petz: Hänseleien sind kränkend und können den kindlichen Selbstwert nachhaltig schädigen. Deshalb: Stellen Sie sich vorbehaltlos hinter Ihren Sohn und bestärken Sie ihn darin, dass er sein darf, wie er möchte. Es ist wichtig, dass ein Kind die Erfahrung macht, dass Mama und Papa immer auf seiner Seite sind und für ihn da sind. Versuchen Sie daher bitte nicht, ihm seine momentanen Vorlieben auszureden. Dies könnte Ihren Sohn nicht nur verwirren, er lernt darüber hinaus auch, dass seine eigenen Gefühle und Entscheidungen falsch sind. Stärken Sie daher lieber auch im Alltag sein Selbstbewusstsein. Außerdem sollten Sie das Gespräch mit den Kindergartenpädagogen suchen. Diese können das Klima und das soziale Miteinander stark beeinflussen. Die Kleinen können durch gemeinsame Lieder und Geschichten im Kreis mehr über das Thema "Jeder darf sein, wie er möchte" erfahren. Denn auch mit den Jüngsten kann schon besprochen werden, dass es Sätze gibt, die Gefühle verletzen können.

26.11.2015, 09:45
Susanne Zita, Kronen Zeitung
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