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05.12.2016 - 14:27
Foto: APA/HARALD SCHNEIDER

Österreichische Techniker- Legende wird 90

31.12.2009, 10:09
Der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek feiert am Neujahrstag seinen neunzigsten Geburtstag. Der Techniker konnte durch die Entwicklung eines der ersten vollständig transistorisierten Computer in den 50er Jahren, dem sogenannten "Mailüfterl", und seine Arbeit in einem eigens für sein Team geschaffenen IBM-Laboratorium in Wien Weltruhm erwerben.

1950 begann der gebürtige Wiener als Assistent an der Technischen Hochschule mit dem Bau seines ersten Rechners. Dem Techniker wurde schnell klar, dass die damals dominierenden Röhren zur Konstruktion von "Rechenautomaten" nicht geeignet waren. 1954 nahm er deshalb mit einem Team von Studenten die Entwicklung eines vollständig transistorisierten Computers in Angriff. Ohne offiziellen Auftrag musste sich Zemanek das Geld und die Bestandteile zusammenbetteln.

Von 1956 bis 1958 bauten die Pioniere das "Mailüfterl", aus dem einer der ersten volltransistorisierten Computer der Welt und der erste auf dem europäischen Festland werden sollte. Jeder einzelne der rund 3.000 Transistoren und die 5.000 Dioden wurde auf 1.500 etwa 15 mal zehn Zentimeter große Platten aufgelötet. Der Rechner hatte äußerlich nicht viel mit heutigen Computern gemein: Ohne Bildschirm und Tastatur erfolgte die Ein- und Ausgabe über Lochkarten, die Ausmaße waren mit mehreren Metern Länge und Höhe beträchtlich. Den Namen "Mailüfterl" wählten die Techniker aufgrund "der eher langsamen Transistoren, die uns zur Verfügung standen", erinnerte sich Zemanek. Damit hätte man keinen Wirbelwind, sondern eben nur ein "Mailüfterl" zustande gebracht, so der Pionier.

Von der Hardware zur Software

Nach der Konstruktion der Hardware erfolgte von 1958 bis 1961 die Programmierung "und der Übergang der ganzen Gruppe von der Hard- zur Software". Am 27. Mai 1958 bestimmte das "Mailüfterl" in 66 Minuten die Primzahl 5073548261. 1959 wurde für den Zwölfton- Komponisten Hanns Jelinek ein musiktheoretisches Programm entwickelt und die Aufgabe in 60 Stunden gelöst. Um für diese langen Rechenzeiten nicht ständig am Institut sein zu müssen, hatten die Techniker den Hauptakkumulator des "Mailüfterls" an das Telefon gekoppelt. Sie konnten dadurch von zu Hause anrufen und anhand der hörbaren "Melodie" feststellen, ob das Programm läuft. Heute ist das "Mailüfterl" noch im Technischen Museum Wien zu bewundern.

1961, Zemanek war inzwischen habilitiert, übersiedelte die gesamte Gruppe um den Computerpionier zu IBM. Der Konzern hatte angeboten, für das Team ein Laboratorium in Wien aufzubauen. Auch das "Mailüfterl" wurde von IBM dem Staat abgekauft und dem Labor, dem Zemanek bis 1976 vorstand, zur Verfügung gestellt. Der Techniker war einer der ersten, der die Bedeutung der Software für die Computertechnologie erkannte. Die Forschergruppe konzentrierte sich daher bald auf Programmiersprachen und entwickelte die "Vienna Definition Language", die damals größte Programmiersprache, sowie in weiterer Folge die "Vienna Definition Method", mit der er Weltruf erlangte. 1976 wurde Zemanek zum IBM- Fellow ernannt, eine Auszeichnung, die nur wenigen Europäern zuteilwurde. Vollständig frei in seiner Aufgabenwahl konzentrierte sich der Wiener auf die Theorie des Systementwurfs und nannte sie "Abstrakte Architektur".

Mehrfach ausgezeichnet

Zemanek war ab 1964 außerordentlicher und ab 1983 ordentlicher Professor an der Technischen Universität (TU) Wien. Seit 1985 ist er in Pension. Im Laufe seiner Karriere erhielt Zemanek zahlreiche Auszeichnungen und bekleidete hohe Positionen. Er war Präsident der International Federation for Information Processing (IFIP), die seit einigen Jahren ihren Sitz in Laxenburg bei Wien hat und ihn 1998 mit ihrem Isaac L. Auerbach- Preis auszeichnete. Er ist Gründungspräsident der Österreichischen Computergesellschaft, die seit 1985 den "Heinz- Zemanek- Preis" vergibt, weiters Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. 2003 wurde er für sein wissenschaftliches Lebenswerk mit dem Kardinal- Innitzer- Preis ausgezeichnet.

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