Do, 14. Dezember 2017

Ukraine, März 2014

Das freie Wort
Ein aufschlussreicher Aufenthalt in der Westukraine im Spätsommer 2013 macht die riesigen Unterschiede in diesem Land bewusst. Die Kluft zwischen Arm und Reich weitet sich, das flache Land ist großteils unbewirtschaftet und öd, die großen Städte dagegen wirken auf den ersten Blick pulsierend. „Arm“ bedeutet in der Ukraine heute für Millionen, nicht genügend Geld für Nahrung, Heizung und Bestechung der Ärzte zu haben. Eine Frage wird von so unterschiedlichen Bürgern wie einem Lehrer, einem Wirtschaftsstudenten, einem orthodoxen Religionslehrer und vielen anderen völlig ident beantwortet: „Ja, in der Sowjetzeit war unterm Strich alles besser!“ Die statistischen Fakten - Bevölkerungsschwund, Alkoholismus, sinkende Lebenserwartung, steigende Arbeitslosigkeit - untermauern diese Einschätzung. So wird in diesen Tagen nicht nur auf der Krim, sondern zunehmend auch in anderen Landesteilen um sich greifende Hinwendung zu Russland verständlich, denn „die bessere kommunistisch/sowjetische Vergangenheit“ wird auch von der jungen Generation noch eng mit Russland assoziiert, das heute wieder groß, sicher, mächtig und vermögend dasteht, wie es Sotschis Olympiaspektakel zumindest für naive Gemüter suggeriert.


Prof. Ernst Smole,Mürzzuschlag
erschienen am Mi, 5.3.