Vienna-City-Life: Taxifahrer & Psychiater  (Bild: Zwefo)

Vienna- City- Life: Taxifahrer & Psychiater

Sein Name ist Hamid, er sitzt seit 25 Jahren hinterm Steuer seines Taxis und kennt die düsteren Ecken der Stadt genauso, wie den Ballhausplatz und die Hofburg. Taxifahren ist nicht sein Traumberuf, aber ein anderer Job kommt für ihn nicht in Frage - schließlich liebt er seine Fahrgäste. Hamid ist Taxifahrer und Psychiater zugleich und "therapierte" sowohl Bundeskanzler Werner Faymann, als auch den obdachlosen Sandler von der Straße.

"Wie lange haben Sie Zeit?", fragt Taxifahrer Hamid gleich zu Beginn des City4U- Interviews, schließlich hat er in den letzten Jahrzehnten allerhand erlebt und viele Geschichten zu erzählen. "In meiner Pension werde ich mal ein Buch schreiben." Bis zur Pension hat der 56- Jährige aber noch ein paar Jahre, und so ist er auch weiterhin auf den Wiener Straßen anzutreffen.

"Früher war Taxifahren schöner, da gab's noch weniger Mitbewerber", erzählt er im Talk. Heute bleiben ihm nach der 10- Stunden- Schicht lediglich 50 bis 60 Euro im Geldbörsel: "Das meiste Trinkgeld geben die Sandler, da wird schonmal bei einem Fahrpreis von sechs Euro auf zehn Euro aufgerundet. Bei den Herren im Anzug ist dafür oft genau das Gegenteil der Fall."

Nicht selten muss Hamid einiges an Geduld aufbringen, bis er zu seinem Fahrgeld kommt. Vor allem in der Nacht hat er schon skurrile Situationen erlebt: "Ein stark betrunkener Fahrgast wollte nach Hause zu seiner Frau in den 13. Bezirk. Am Währinger Gürtel hat er es sich dann anders überlegt, statt zur Frau wollte er plötzlich zu einer Prostituierten. Sie merkte aber, dass er sturzbetrunken war und setzte ihn wieder zu mir ins Taxi. Ich habe den Fahrgast dann in seine Wohnung getragen, seine Frau hat nie von dem Zwischenfall erfahren."

Auch "Promis" haben schon auf Hamids Rückbank Platz genommen: "Von Udo Jürgens war ich enttäuscht, er hat sich nicht einmal von mir verabschiedet. Der Herr Bundeskanzler Faymann war dafür sehr freundlich, er hat mich sogar mit Handschlag verabschiedet. Ex- Kanzler Gusenbauer hat hingegen kein Wort mit mir gewechselt, immer nur still aus dem Fenster geschaut."

Seine liebsten Fahrgäste sind ihm aber die Fernsehmoderatoren und Schauspieler: "Maximilian Schell habe ich vom Burgtheater abgeholt, mit Alfons Haider und Uwe Kröger war ich auch schon unterwegs, und am lustigsten war die Fahrt zum Flughafen mit Armin Assinger - ich sollte Gas geben, weil er schon so dringend pinkeln musste."

Auf die Frage, ob er nicht nur Taxifahrer, sondern auch ein wenig Psychiater sei, muss Hamid zustimmend schmunzeln: "Vor allem in der Nacht wollen die Leute reden, nämlich dann, wenn sie was getrunken haben. Ich höre ihnen gerne zu und gebe Ratschläge. Für mich ist es immer am schönsten, wenn die Fahrgäste dann mit einem Lächeln aussteigen."

cgi

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