So läuft's wirklich: Wiesn-Kellnerin packt aus  (Bild: Fotomontage/ Wiener Wiesn-Fest, thinkstockphotos.de)

So läuft's wirklich: Wiesn- Kellnerin packt aus

Sie tragen bis zu zehn Maß-Krüge auf einmal durchs Zelt, sind über zwei Wochen täglich mindestens 14 Stunden auf den Beinen und dürfen vor allem bei betrunkenen Gästen nicht zart besaitet sein. Auf der Wiener Wiesn zu kellnern ist ein Knochenjob - und trotzdem reisen sie aus ganz Österreich an, nur um als Wiesn-Bedienung mit dabei zu sein. Schließlich zählt am Ende des Tages vor allem eines: das Geld. Und das ist "in 18 Tagen mehr, als andere in drei Monaten verdienen". City4U hat mit einer Wiesn-Kellnerin Klartext gesprochen - so geht's hinter der Zeltfest-Kulisse wirklich ab.

"Motiviert bin ich dann, wenn ich viel verkaufen kann", kommt Katja* gleich zu Beginn des Interviews unmissverständlich zur Sache. Offiziell beginnt ihr Dienst um 11 Uhr und endet nach neun Stunden, tatsächlich geht's schon mal um 8 Uhr morgens ins Dirndl- Outfit und eine 14- Stunden- Schicht gehört zum Alltag.

"Das Wichtigste ist ein gutes Schuhwerk", zeigt Katja auf ihre Bergschuhe, "dann geht das schon." Bereits seit neun Jahren arbeitet sie in der Gastronomie, zuletzt am Villacher Kirtag und noch bis zum 11. Oktober in einem der Festzelte auf der Kaiserwiese im Prater. "Unerfahrene Kellner haben auf der Wiesn nichts zu suchen, die packen's einfach nicht."

Bei der Arbeitsaufteilung gibt's klare Regeln - jeder Kellner hat seine eigene, fixe Station mit sechs Tischen, die Bedienung nimmt die Getränke auf und serviert diese. Für Stelze, Hendl, Bratwurst und Co. gibt's eigene Speisenträger. Und über all dem Personal wacht stets das gestrenge Auge des Restaurantleiters: "Wer betrunken arbeitet, wird vom Chef schnell heimgeschickt." Ein Gläschen gemeinsam mit den Gästen ist aber "okay", das wird geduldet.

Desto später die Stunde und feuchtfröhlicher der Abend, umso schneller fallen bei vielen Zeltfest- Besuchern oft die Hemmungen: "Natürlich wird man auch 'anbratn', aber wie weit der Gast gehen darf, muss jede Kellnerin selber entscheiden." Katja hat keine Probleme mit Anmach- Sprüchen, Grapschereien sind für sie aber tabu: "Wir sind ja nicht im Puff!" Sollte jemand die Grenzen nicht verstehen, kommen die Securitys zum Zug und befördern den unliebsamen Gast rasch vors Zelt.

Auch das Ausnüchterungs- Nickerchen auf den Bierbänken ist übrigens ein klares No- Go und sorgt für ein jähes Zeltfest- Ende. Sollten Bier und Stelze nicht vor dem Eingang, sondern noch im Zelt den umgekehrten Weg nehmen, dann greifen die Kellnerinnen auch mal selbst zum Lappen: "Irgendeiner muss es ja machen und die Sauerei beseitigen. Wenigstens hab' ich dafür 20 Euro Trinkgeld bekommen."

Finanziell ist der Wiesn- Job durchaus lukrativ, in Katjas Zelt bekommen alle Kellner ein Fixum plus eine Beteiligung: "Untertags ist es schwierig, aber wenn die Hütte voll ist und ich viel verkaufen kann, dann geht's mir gut, schließlich hab' ich ja meine Umsatzprozente."

Einen Plan fürs Leben nach der Wiesn hat Katja übrigens auch schon - zwei Tage einfach nur Ausschlafen sind angesagt, bis es dann im kommenden Jahr wieder heißt: O'zapft is'!

(*= Name von der Redaktion geändert)

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