City4U trifft Wiens bekanntesten "Augustin"  (Bild: zwefo)

City4U trifft Wiens bekanntesten "Augustin"

Der "liebe Augustin" kletterte 1679 aus einer Wiener Pestgrube und rappelte sich wieder auf – "Augustin"-Verkäufer Günther (58) glaubt nicht mehr daran, dass er es auch schafft. Die Wienerinnen und Wiener kennen ihn trotzdem als gut gelaunt. Seit Jahren steht er im "Jonas-Reindl" und verkauft dort die Obdachlosenzeitschrift. Immer fröhlich, immer mit seinem Hund an der Seite…

"Ich habe im Leben vieles falsch gemacht", gibt er im Gespräch mit City4U ehrlich zu. Allerdings standen die Chancen schon bei seiner Geburt schlecht: "Die Mutter Prostituierte, der Vater ein Trottel", schildert Günther seine Jugend. Dann folgten Vorstrafen und Haft wegen kleinerer Diebstähle. Er kam wieder auf die Beine, fand eine Frau, die ihn liebte – sie starb elf Tage vor der geplanten Hochzeit...

Das war vor 17 Jahren – und der Abstieg begann. Jetzt steht er tagaus, tagein im Rondell der U- Bahn- Station Schottentor und verkauft den "Augustin". Pro Exemplar bekommt er 1,25 Euro. Hat er 15 Euro eingenommen, geht er nach Hause in seine Sozialwohnung im 17. Bezirk: "Dann hab ich genug zum Essen für den Tag, ich bin ja auch herzkrank und kann nicht so lange stehen."

"Marzipan" als Markenzeichen

Dass er trotz seines schweren Lebens gut gelaunt ist, liegt auch an seinem besten Freund, Hund "Marzipan", einem kleinen Pinscher. Er liegt jeden Tag in seinem Körberl neben dem Herrchen, ganz entspannt, quasi das Markenzeichen des "Augustin"- Verkäufers. "Ich hab's ja nicht schlecht", lächelt Günther, "zwei schwere Erkrankungen durchg'stessn, früher bei minus 16 Grad unter der Reichsbrücke geschlafen, jetzt geht’s mir gut. Ich trink nix" – er deutet mit der Hand auf die Mineralwasserflasche am Boden vor ihm – "und ich nehme keine Drogen. Da bin ich schon stolz auf mich."

Und wie läuft das Geschäft? "Derzeit eher mäßig. Die Leute sind gestresst, weil Schulbeginn ist, und haben keine Zeit. Aber das wird schon wieder." Spricht er, verkauft Sekunden später eine seiner Zeitungen und scherzt mit der Käuferin, einer jungen Studentin: "Die ist Stammkundin bei mir. Aber jetzt ist es genug mit dem Palaver, ich muss wieder was arbeiten", verabschiedet er sich. Mit einem Lächeln…

zet

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