Brutale Aufnahmerituale für neue Mitglieder  (Bild: thinkstockphotos.de)

Brutale Aufnahmerituale für neue Mitglieder

Was ist mit der Jugend los? Ist sie wirklich schon so brutal geworden? Die Prügelattacke gegen ein junges Mädchen in Kagran  - City4U berichtete - empört und erregt viele. "Ein Aufnahmeritual" hieß es anfangs - bis sich die Wahrheit herraustellte: Es war einfach ein brutaler Überfall. Mittlerweile wurde ein weiterer, ähnlicher Fall aus der Großfeldsiedlung bekannt. Die mutmaßliche Haupttäterin war auch in Kagran mit dabei, sie ist mittlerweile in Haft.

Im Fernsehen laufen stundenlang Prügelorgien in billigen US- Serien - färbt das auf die Kids ab? Gibt es wirklich in jedem "Krisenbezirk" Jugendbanden? Haben sie brutale Aufnahmerituale?

"...oft schon lebensgefährlich"

Philipp Ikrath (Bild unten) vom Institut für Jugendforschung bestätigt das auf City4U- Anfrage: "Man kennt solche Aufnahmerituale aus US- Filmen, die auch bei uns gelaufen sind. In amerikanischen Eliteburschenschaften gibt es solche Rituale, die nicht unbedingt brutal, auf alle Fälle aber ekelhaft oder peinlich sind. Die Anwärter sollen zuerst einmal erniedrigt werden, ehe sie in der Gemeinschaft aufgenommen werden. Bei Jugendbanden, die ins Kriminelle abgeglitten sind, werden diese Rituale natürlich härter und sind oft schon lebensgefährlich. Manche Bandenchefs verlangen, dass der Neue während des Betriebes auf die U- Bahngleise springt und etwas auf die Begrenzungswände sprüht oder auf das Dach der U- Bahn klettert und dort eine Station mitfährt."

"Mir sind solche Videos bekannt"

Ercan Nik Nafs von der Wiener Jugendanwaltschaft hat Videos, wie jenes der Prügelattacke gegen ein junges Mädchen in Kagran, schon oft gesehen. Gewalt zwischen Jugendlichen ist leider Teil seines Jobs: "Natürlich kann es in sogenannten Jugendgruppen zu Fällen von Gewalt kommen. Jugendliche wachsen leider oft in  jugendfeindlichen Lebensformen auf. Sie bekommen keine Unterstützung. Sie verwahrlosen und kopieren das Verhalten der Erwachsenen. Sie haben ihren Zugang zu Empathie verloren verloren. Wir arbeiten stark an Gewaltprävention: Jugendliche, die keine Gewalt erfahren haben, werden auch keine anwenden. Und: Gewaltprävention darf nie aufhören. Es braucht mehr Jugendzentren, mehr Jugendarbeiter, mehr Unterstützung für betroffenen Familien…"

"Mir sind keine Aufnahm- Rituale bekannt"


Dass es in Wiener Jugendbanden auch Aufnahmerituale geben könnte, schließt er kategorisch nichtt aus. Schlicht: Sie sind ihm nicht bekannt. Doch mit einem massiven Problem war er in letzter Zeit häufiger konfrontiert, jenem, der Radikalisierung von Jugendlichen: "Wir hatten in den vergangenen sechs Monaten mit Jugendlichen zu tun, die in radikalisierte Gruppen abgedriftet sind. Wir konnten sie begleiten, und ihnen wieder raus helfen. Man arbeitet dort sehr stark mit schwarzer Pädagogik...", so Nafs.

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art/zet




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