3 Stationen, 50 Dealer: Drogen-Hotspot U6  (Bild: Zwefo)

3 Stationen, 50 Dealer: Drogen- Hotspot U6

Die U6 hat ein neues Image. "Dealer- Linie" wird sie immer öfter genannt, weil die Stationen mittlerweile zu Drogen- Umschlagplätzen verkommen sind. City4U war undercover unterwegs und sprach mit den Dealern.

Wir steigen in Spittelau in die U6 und rattern damit stadteinwärts. Bis zur Alser Straße sind die Stationen leer - dafür erwartet uns in der Station an der Josefstädter Straße gleich das volle Programm: An der Bushaltestelle gegenüber dem Ausgang drängen sich Obdachlose und Alkoholiker, die gesamte Station ist von Schwarzafrikanern umstellt.

"What you need?"

Woran erkennt man einen Dealer? An den Sneakers - die teuren Treter gelten als Statussymbol, je mehr die Nike, Reebooks oder Adidas kosten, umso höher steht der Träger in der Rangordnung. Wir suchen Augenkontakt zu einem der Männer und werden sofort angesprochen. "What you need?" - sein Englisch ist schwer zu verstehen.

Mengenrabatt bei Marihuana

Wir fragen, was er im Angebot habe: "Everything!" Eine Portion Marihuana kostet bei ihm zehn Euro, nimmt man fünf, ist die sechste Portion gratis. "Good stuff, man, best in Vienna." Wir kommen ins Gespräch. Der Name unseres Dealers ist Alex - das kann stimmen, muss es aber nicht. Er ist Nigerianer und seit einem Jahr in Wien. Während er mit uns plaudert, werden wir von seinen Kollegen aufmerksam beobachtet - wir könnten ja auch Drogenfahnder in Zivil sein. Ein VW der Polizei passiert uns im Schritttempo, Alex reagiert nicht einmal darauf. "Dont worry, man", grinst er. Er weiß, den Beamten sind die Hände gebunden. Wir geben an, noch einen Bankomaten zu suchen und steigen wieder in die U6.

Heroin unter Rollsplitt- Behälter

Next Stop: Thaliastraße. Hier ist es noch ärger: 32 Schwarzafrikaner haben auffällig unauffällig rund um die Station Aufstellung genommen. Die zwei Kräftigsten stehen etwas weiter entfernt neben einem Rollsplitt- Behälter des Magistrates und spannen die Muskeln an, als wir Anstalten machen, uns zu nähern. Keine Frage, hier wird der harte Stoff gebunkert - Heroin, Kokain und Crack. Denn kein Dealer lässt sich mit einem Vorrat davon in der Tasche erwischen. Er holt vom "Bunker" ab, was gewünscht wird, transportiert die kleine Kugel, in Alufolie verpackt, im Mund - und schluckt sie bei Gefahr einfach runter. Unser Versuch, die "Bunker- Wächter" in ein Gespräch zu verwickeln, scheitert - wir brechen dann ab, wollen keine Schlägerei riskieren.

Weiter geht's: Die Stationen Burggasse, Westbahnhof und Gumpendorfer Straße sind ebenfalls Umschlagplätze, wenngleich an diesem Nachmittag nur wenige Händler zu sehen sind - hier startet das Business erst gegen Abend. Das ganze Angebot gibt es dann wieder in der Längenfeldgasse und an der U4- Station Margaretengürtel.

Drogenparagraf wird wieder verschärft

Auffallend: Die Drogenhändler agieren völlig ungeniert. Es hat sich herumgesprochen, dass ihnen die Polizei erst ans Leder kann, wenn sie dreimal in flagranti erwischt werden. Oder Stoff um mehr als 400 Euro in der Tasche haben - was niemals der Fall sein wird.

Das sind die unglücklichen Auswirkungen einer Gesetzesänderung des berüchtigten Paragrafen 70 des  Suchtmittelgesetzes. Zuvor konnten Dealer schon nach dem ersten Verkauf in U- Haft landen, seit er Anfang Jänner geändert wurde, geht das nicht mehr. Nebenwirkung: Das hat sich in der Szene herumgesprochen, mittlerweile kommen Jugendliche leichter an Drogen als an Alkohol.

Die "Goldenen Zeiten" für Alex und Co. könnten dennoch bald vorbei sein. Noch vor dem Sommer soll das Suchtmittelgesetz wieder verschärft werden, für das Dealen im öffentlichen Raum sind dann bis zu zwei Jahre Haft vorgesehen. Doch bis es so weit ist, bleibt die U6 weiter die Dealer- Linie...

Was ist eure Meinung dazu? Postet sie uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

zet

Das könnte euch auch interessieren:

Drogenalarm in Wiens Partyszene

"Cannabis ist gesünder als Alkohol"

Kommentare