Wild: "Homosexuelle sind keine Cash-Cows!"  (Bild: City4U)

Wild: "Homosexuelle sind keine Cash- Cows!"

Am 10. Juni ist es soweit: Der Life Ball, das Charity- Event des Jahres im Kampf gegen HIV und Aids in Wien, findet erneut statt. Anders als zu erwarten werden die Unterkünfte der Stadt jedoch offensichtlich nicht gestürmt. "Ich merke den Life Ball wenig!", so Peter Wild (58), Inhaber der Pension Wild, dem Gay- freundlichsten Hotel der Stadt. Er ergänzt lachend: "Vielleicht aber, weil es grundsätzlich gut läuft!" City4U hat sich mit dem sympathischen Wiener getroffen.

Peter Wild ist bereits seit er Denken kann mit der "Pension Wild" verwurtzelt. "Das ist quasi mein Geburtshaus. Ich bin hier aufgewachsen. Meine Eltern begannen 1954 hier als Hausbesorger und seit 1960 wurde es Schritt für Schritt zu einer Pension umfunktioniert, es kamen immer mehr Zimmer hinzu." Trotz der manchmal mühsamen Selbstständigkeit und den entsprechend seltenen Urlaubstagen im Jahr, ist sich Wild sicher: "Das hier mache ich, bis ich in Pension gehe. Mein ganzes Herzblut steckt hier drinnen und das Hotel ist ein Andenken an meine Mutter."

"Gay- friendly? Ein Folder alleine reicht nicht!"

Die Pension Wild hat insgesamt 19 Zimmer auf mehreren Etagen und drei außenliegende Appartments. Bereits die Regenbogen- Fahne in der Auslage macht dabei unmissverständlich klar: Die Pension Wild ist aufgeschlossen, gilt sogar als das gay- freundlichste Hotel der Stadt. "Dabei reicht es nicht, einen Folder aufzulegen. Man muss sich schon auch mit der Szene auseinander setzen und dafür offin sein, wenn man nicht vielleicht sogar selbst lesbisch oder schwul ist. Nur so kann man den Gästen auch entsprechende Tipps geben." Und diesen hat er, für jeden Gast parat. "Je nach Besucher und Vorlieben gebe ich gerne einen anderen Tipp. Denn, auch wenn die Wiener Szene vielleicht nicht so ausgeprägt ist wie jene in Prag oder Budapest, gibt es doch viele interessante Möglichkeiten!"

"Schwule sind keine Cash- Cows!"

Das Hotels sich selbst als gay- friendly bezeichnen ohne es in Wirklichkeit zu sein, ärgert ihn. "Bei manchen liegt nicht mal ein entsprechender Stadtführer auf! Leider glauben viele Hotels noch immer, dass sie mit der sexuellen Orientierung von Menschen, Alleinverdiener und Reiselustiger, Geld machen können. Dabei hat sich das geändert. Nicht jeder Homosexuelle ist alleinerziehend und schwimmt in Kohle!"

Inhaber Wild ist entsprechend offen für jeden Gast. "Man muss nicht homosexuell sein um bei mir wohnen zu können. Immerhin gibt es auch zahlreiche Beispiele, die untermauert haben: Nur schwul funktioniert nicht!" Deutlich gemacht wird der "gay- friendly"- Aspekt trotzdem, überall wo es geht. "Wir sind natürlich auch überall als gay- friendly gelistet und gehen entsprechend offen damit um."

"Jeder soll machen was er will!"

Eine entsprechende Offenheit wünscht er sich auch von seinen Gästen. Wild bezeichnet seine Pension als "Vorurteilsfreie Zone". "Jeder soll machen was er will, wann er will und mit wem er es will, solange er dabei niemanden stört." So kann es bei Wild auch mal vorkommen, dass man am Frühstückstisch einem Mann in Stöckelschuhen und Perücke gegenüber sitzt, "immerhin habe ich auch transsexuelle Gäste!"

Mit Vorurteilen wird er leider trotzdem immer wieder konfrontiert. Nicht nur in seinem persönlichen Alltag, sondern auch beim Zusammentreffen mit so manchem Besucher. "Erst im Jänner hatte ich ein junges Paar aus Amsterdam zu Gast. Und obwohl man eigentlich gerade von den Holländern annehmen sollte sie wären weltoffen, war das leider nicht der Fall. Eine amerikanische Familie letztes Jahr war, hingegen, schwer begeistert!"

"Lebendige Souvenirs"

Dabei gibt es laut Wild kaum einen Unterschied zwischen seiner Pension und einem anderen Hotel. "Außer vielleicht, dass sich schwule Männer gerne mal "lebendige Souvenirs” mit aufs Zimmer nehmen. Wobei - das ist bei Heterosexuellen auch nicht anders!"

Wild arbeitet gerne in Wien."Wien ist eine weltoffene Stadt. Ich hoffe, das bleibt so! Es wird sehr viel für die Gay- Community getan, auch von Seiten der Politik. Die Motivation dahinter sei mal außen vor gelassen, solange sich etwas bewegt ist das gut." Gleichgeschlechtliche Ampeln findet er lustig, trotzdem aber nicht zwingend notwendig.

"Spüre den Life Ball wenig"

Dem kommenden Life Ball fiebert er nicht entgegen, auch wenn er früher selbst regelmäßig dort zu Gast war. "Es war das Highlight des Jahres der Gay- Community. Die Leute haben sich oft ein Jahr im Vorhinein auf die Veranstaltung vorbereitet und ihr Kostüm designt. Das ist durch die Style- Bible nun nicht mehr möglich. Vor allem, weil diese eben doch erst zu einer bestimmten Zeit im Vorfeld veröffentlicht wird."

Zudem ist der Community- Reiz verloren gegangen. "Es gab zuletzt diese Absperrungen zu den oberen Festräumen, man kam nirgends mehr hin, wo es etwas sehen gab, außer man geht schon während der Eröffnung hinauf. Der Life Ball ist immer mehr einer Schickimicki- Veranstaltung geworden. Als der Zugang nach oben erschwert wurde habe ich aufgehört die Veranstaltung zu besuchen." Gut findet er sie trotzden. "Unumstritten. Immerhin ist es grundsätzlich eine gute Sache und zeigt einmal mehr die Offenheit dieser Stadt."

Und: "Die Umsätze stimmen ja Gottseidank trotzdem!", er lächelt. Mit oder ohne Life Ball und trotz AirBnB und Co  als Konkurrenz. "Das ist halt wettbewerbsverzerrenend, weil Leute privat vermieten können, manche im großen Stil. Eigentlich absurd, wenn man bedenkt, dass sich Gewerbebetriebe Prüfungen und Gewerberichtlinien stellen müssen." Die wohl einzige Thematik in der sich Wild nicht offen zeigt.


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Redakteurin
Julia Ichner
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