Was sich Augustin-Verkäufer zu Weihnachten wünscht  (Bild: Anna Richter-Trummer)

Was sich Augustin- Verkäufer zu Weihnachten wünscht

"Was ich mir wünsche?" Die Augen von Tanase Mircea (58) blitzen kurz auf. Gefesselt an einen Rollstuhl arbeitet der gebürtige Rumäne seit sechs Jahren als Augustin- Verkäufer in Wien: "Liebe für die Menschheit. Davon gibt es zu wenig. Immer wird darüber geredet. Aber was tut jeder einzelne, um diese Liebe zu beweisen?

Mitten im Weihnachtstrubel sitzt er beinahe regungslos in seinem Rollstuhl vor einem Bankinstitut an der Rotenturmstraße in der Wiener Innenstadt. Acht Stunden am Tag. Manchmal wärmt er sich in der U- Bahnstation auf. Manchmal nimmt ihn die Polizei mit aufs Revier. Verbotene Bettlerei.

"Dann ist für mich Weihnachten."

Manchmal hat er Glück. Und ein Passant hält inne. Bleibt bei ihm stehen . Trotz Shopping- Stress. Redet mit ihm. Kauft einen Augustin. "Dann ist für mich Weihnachten. Ein paar Worte bedeuten mir alles. Und sie kosten nichts". Tanase ersteht Wiens Obdachlosenzeitung Augustin um 1,25 €, um 2,50 € gibt er sie weiter, etwa 10 Stück am Tag kann er verkaufen. "Wenn ich abends mit ein paar Euro in der Tasche nach Hause komme, kann ich nicht stolz sein, aber ich bin zufrieden."

"Ich will nicht betteln."

Tanase hat keine Wünsche mehr. Und an Weihnachten glaubt auch er nicht mehr.  Als achtes Kind in der rumänischen Kleinstadt Arad mit körperlicher Behinderung zur Welt gekommen, gelang ihm nach Jahren der politischen Verfolgung durch das ehemalige kommunistische Regime die Flucht nach Deutschland. Doch dort wurde er sofort wieder zurück nach Rumänien geschickt. Seit sechs Jahren darf er in Wien arbeiten. "Ich will nicht betteln. Und ich bedanke mich bei jedem der  Verständnis hat für Augustin- Verkäufer. Ohne ihre Unterstützung könnte ich nicht weitermachen."

"Mein Herz schreit dann: Warum?"

Was ihm durch den Kopf geht, wenn Leute an ihm vorbeihetzen, wohlhabend, den Arm voller Geschenke, den Blick abgewandt. "Mein Herz schreit dann: Warum... Warum, Gott, bin ich ein Krüppel. Warum finde ich hier keine Arbeit. Ich denke: In Österreich sollte man kein Rumäne sein. Schon gar kein Behinderter."

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Redakteurin
Anna Richter-Trummer
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