Manuel: „Man(n) hat mit Vorurteilen zu kämpfen“  (Bild: Manuel Vogelsberger)

Manuel: „Man(n) hat mit Vorurteilen zu kämpfen“

Von Suits ins Bloggerbusiness zu wechseln, scheint so absurd wie real zugleich. Manuel Vogelsberger ist definitiv kein gewöhnlicher Blogger. Als Anwaltsanwärter war ihm sein Alltag zu eintönig, also beschloss er, sich voll und ganz seinem eigenen Projekt zu widmen. Heute gehört er zur zumindest hierzulande noch eher seltenen Sorte der männlichen Fashionblogger. Auf www.meanwhileinawesometown.com schreibt er regelmäßig über Mode, Reisen, Lifestyle und andere Dinge, die ihn inspirieren. City4U bat ihn zum Interview:

#1 Wann und warum hast du zu bloggen begonnen?

Ursprünglich habe ich meinen Blog gestartet, um meine Familie und Freunde während meines Auslandssemesters in Stockholm 2013 etwas im Bilde zu halten, was bei mir so passiert. Als ich wieder zurück nach Wien kam, habe ich dann beschlossen die Website weiterzuführen und von nun an gezielt über Dinge zu schreiben, die mir Spaß machen und die mich interessieren. Da ich schon zuvor einige Zeit meinen Instagram Account hatte, bot es sich natürlich an, die zwei Kanäle thematisch zu verbinden, was ich dann auch gemacht habe. Die Frage nach dem warum, ist etwas schwieriger zu beantworten. Ich denke, dass ich grundsätzlich ein eher extrovertierter Mensch bin, der sich auch gerne anderen mitteilt. Ich hatte immer schon einen Fabel für coole Kleidung und entdeckte damals auch die Fotografie als Hobby für mich. So führte das eine zum anderen und irgendwann begann ich regelmäßig Fotos auf Instagram zu posten.

#2 Wie ist es als Mann zu Bloggen? Hat man mit Vorurteilen zu kämpfen?

Anfangs hat man definitiv mit Vorurteilen zu kämpfen. Abgesehen von der allgemein eher negativ bis skeptischen Haltung in der Gesellschaft gegenüber "Bloggern", konnten auch meine Freunde das anfangs nicht so recht ernst nehmen. Das motivierte mich aber noch mehr, ihnen zu zeigen, dass da sehr wohl ein gewisser Anspruch dahinter steckt. Mittlerweile finden es viele Leute sehr cool, dass man daraus einen Beruf machen kann und respektieren die Tätigkeit auch als Arbeit, was mich persönlich natürlich freut. Andererseits denke ich, dass gerade Männer schwerer zu beeinflussen sind und eine skeptischere Grundhaltung gegenüber Mode und Blogs haben in Österreich. Das muss sich erst noch ein wenig entwickeln. Aber dafür sind wir ja da, den Leuten zu zeigen, dass es keinem weh tut, sich hier und dort mal inspirieren zu lassen. Letztendlich steht es ja jedem frei, welche Medien er konsumieren möchte.

#3 Wieso glaubst du gibt es so wenige männliche Blogger im Vergleich zu Youtubern?

Ich denke, dass auf Youtube thematisch ein breiteres Spektrum abgedeckt wird. Dort findet man jede Menge Tutorials auch aus dem technischen Bereich, Politik, Motorsport oder einfach nur zur generellen Belustigung. Es geht also weniger darum, sich selbst visuell ansprechend ins Rampenlicht zu stellen. Da ist natürlich die Hemmschwelle dann auch eine ganz andere. Zum anderen, fällt mir aber gerade in letzter Zeit auf, dass die Anzahl männlicher Blogger oder Influencer stark ansteigt. Man(n) gewöhnt sich also bereits an die neuen Gegebenheiten auf Social Media. Außerdem darf man auch nicht außer Acht lassen, dass es auch bisher bereits sehr viele männliche Blogs zu anderen Themen als Mode gibt. Dieser Rückstand an männlichen Modebloggern liegt meiner Meinung nach daran, dass diese Branche bei vielen Männern bisher als eher feminin behaftet wahrgenommen wurde. Langsam beginnen aber auch wir Männer damit, uns damit auseinanderzusetzen wie wir daherkommen.

#4 Welchen Service kann ein Blogger seinen Lesern bieten, den andere Medien nicht bieten können?

In erster Linie sicherlich einen persönlichen Bezug. Wenn ich ein Magazin oder eine Zeitung lese, aber auch im Fernsehen, entwickle ich nicht wirklich einen persönlichen Bezug zum Autor. Bei Blogs ist es dagegen nicht unüblich, dass sich Follower und Leser bis zu einem gewissen Maß mit dem Blogger/der Bloggerin identifizieren und dadurch offener, für vom Blogger/von der Bloggerin präsentierten Inspirationen sind. Man vertraut quasi der Vorauswahl und dem Geschmack der Person, der man sich entschieden hat zu folgen.

#5 Was war dein größter Fehler in Bezug auf das Bloggen und was hast du daraus gelernt?

Klar gab es da immer wieder Momente, wo man auch mal eine falsche Entscheidung getroffen hat. Sei es im Hinblick auf die Annahme einer Kooperation, mit der man sich letztendlich nicht ganz so gut identifizieren konnte oder aber, dass man sich von übermotivierten Agenturen oder Geschäftspartnern in wahnwitzige Deadlines pressen lässt, die einem nichts als Stress verursachen, worunter dann wiederum der produzierte Content leidet. Daraus lernt man dann, auch vielleicht einmal öfter "Nein" zu sagen, selbst wenn das aus finanzieller Sicht vielleicht auf den ersten Blick schmerzhaft erscheinen mag. Ich empfinde es auch immer als Fehler, sich zu viel mit anderen zu vergleichen. Dennoch passiert das natürlich manchmal. Was man daraus lernt, ist, sich auf sich zu konzentrieren, zu schätzen was man im eigenen Leben hat und darauf zu fokussieren, wie man sich selbst stets verbessern kann.

#6 Erzähl uns über deinen stolzesten Blog- Moment?

Auch hier kann ich das eigentlich nicht an einem Moment festmachen. Ich hatte das Glück, durch meinen Blog bereits viele wirklich coole Erlebnisse machen zu dürfen, die ich vermutlich, wäre ich meinem Job in der Anwaltskanzlei treu geblieben, in dieser Zeit nicht gemacht hätte. Ich bin daher natürlich stolz darauf, einen unkonventionellen Weg eingeschlagen und zum Funktionieren gebracht zu haben. Meine besonderen Blog- Momente reichen daher für mich von diversen eindrucksvollen Reisen, über die Zusammenarbeit mit einigen meiner absoluten Lieblingsmarken, dem Kontakt zu interessanten und inspirierenden Persönlichkeiten, bis hin zur Möglichkeit ein Hobby tatsächlich in einen Beruf zu verwandeln und so ganz gut über die Runden zu kommen.

#7 Was frustriert dich am meisten am Bloggen?

Derzeit ärgere ich mich über die Entwicklung, die diese Branche nimmt. Der Fokus auf Zahlen nimmt langsam Überhand gegenüber der Wertigkeit von gutem Content. Instagram fördert das durch seine letzten Updates sicherlich auch bis zu einem gewissen Ausmaß. Zum anderen würde ich mir manchmal etwas mehr Ehrlichkeit wünschen. Gerade untereinander sollten Blogger versuchen viel mehr zusammen, statt gegeneinander zu arbeiten. Übertriebenes Konkurrenzdenken finde ich hier oft sehr kurzsichtig und unsympathisch.

#8 Was und wie möchtest du im nächsten Jahr verbessern und was erwartest du dir in Zukunft von deinem Blog?

Ich möchte weiterhin an der Qualität meines Contents arbeiten und diese verbessern. Was Fotos betrifft, bin ich schon auch etwas perfektionistisch veranlagt und feile eigentlich permanent an meinen Fotoskills und meiner Bearbeitungsweise. Ansonsten möchte ich natürlich viele neue Orte und Menschen kennenlernen, viel herumkommen und mich nicht zu sehr von dem ständigen Vergleich innerhalb der Branche beeinflussen lassen. Für meinen Blog habe ich in diesem Jahr auch einige optische Updates geplant, die ihn nicht nur visuell ansprechender sondern auch leserfreundlicher machen sollen. Da bin ich bereits dran und das möchte ich so schnell wie möglich umsetzen. Ansonsten hoffe ich auf viele spannende Projekte mit interessanten Persönlichkeiten und Marken.


#9 Verdienst du bereits Geld über deinen Blog und wie genau funktioniert das?

Ja, ich bin seit einem Jahr als Blogger selbstständig und verdiene damit mein Geld. Ich monetarisiere meinen Blog hauptsächlich durch Werbekooperationen mit Unternehmen sowie Affiliate Links. Seinen Blog zum Beruf zu machen hat sicherlich Vor- und Nachteile. Zum einen kann ich natürlich jetzt viel mehr Zeit und Energie für mein Projekt aufwenden und mich besser darauf fokussieren. Zum anderen, darf man nicht aus den Augen verlieren, dass man keine reine Werbeplattform werden und sich nicht für alles hergeben sollte. Es geht hier darum das richtige Ausmaß zwischen Wirtschaftlichkeit und Authentizität zu finden.

#10 Was waren die grundlegendsten Veränderungen in deinem Leben seitdem du bloggst?

Prinzipiell hat sich sehr viel dadurch geändert. Ich habe ein viel stärkeres Gespür für Visuelles bekommen, beschäftigte mich noch deutlich mehr mit Mode und Trends und laufe eigentlich immer mit einem Auge nach Fotomöglichkeiten suchend herum. Ich verbringe sicherlich auch mehr Zeit auf Social Media und mit meinem Handy, aber das ist wohl einfach ein Teil meiner Arbeit jetzt.

#11 Was war deine größte Errungenschaft außerhalb des Bloggens?

Da stellt sich natürlich die Frage wie man Errungenschaft definiert. Im beruflichen Sinne zum Beispiel der Abschluss der Studien der Rechtswissenschaft und der Politikwissenschaft. Noch wichtiger waren für mich allerdings stets private "Errungenschaften". Seien es schöne Momente, die ich mit mir nahestehenden Personen erlebt habe oder auch wirklich schwierige Phasen und Momente die man durchgestanden hat, ohne sich selbst zu verlieren. Außerdem empfinde ich auch wichtige Erkenntnisse für einen selbst und herausragende Erfahrungen, wie zum Beispiel das Leben an unterschiedlichen Orten auf dieser Welt immer als tolle persönliche Errungenschaften.

#12 Was würdest du jemanden raten, der auch einen Blog starten möchte?

Sich zunächst gut zu überlegen was einen dazu antreibt. Wenn es nur um Gratisartikel, Goodies und "glamorous Lifestyle" geht, dann würde ich euch dringend davon abraten. Wenn ihr einen Blog starten möchtet, aus Freude an der Sache bzw. um euch kreativ oder auf andere Art auszudrücken, dann nur zu. Achtet darauf, euch nicht in der Blase der Onlinewelt zu verlieren. Bleibt eurer Linie treu, schaut nicht zu viel darauf, was die anderen alles haben, können oder machen, sondern konzentriert euch darauf eure Sache gut zu machen und eurem Anspruch dahinter gerecht zu werden. Aus Erfahrung kann ich euch außerdem sagen, gebt euch der Onlinewelt niemals zur Gänze hin. Nichts ist wichtiger, als sich da immer mal wieder rauszuholen und einfach die Schönheit und Vorzüge der "realen" Offlinewelt zu genießen.

Steckbrief

Name: Manuel
Alter: 28
Beruf / Studium (vor dem Bloggen): Abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften und der Politikwissenschaften, Anwaltsanwärter in einer Kanzlei für Wirtschaftsrecht
Blogs, denen ich folge: Was internationale Männermodeblogs betrifft finde ich vor allem Marcel Floruss / www.OneDapperStreet.com , Fredrik Risvik / www.fredrikrisvik.com , Adam Gallagher / www.iamgalla.com , Streetetiquette / www.streetetiquette.com , Julian Hernandez / www.julianh.se sowie Creations of LA / www.creationsofla.com oder Bloggers Boyfriend / www.bloggersboyfriend.com sehr cool und inspirierend.
Lieblingsort in Wien: Museumsquartier
Nächstes Reiseziel: Geplant sind dieses Jahr noch Copenhagen, Berlin, Paris, Stockholm und Australien

Kennt ihr Manuels Blog schon? Postet uns eure Meinung in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

Redakteurin
Márcia Neves
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