„Irene. Deine Muschel. Aus ihr möchte ich trinken“  (Bild: thinkstockphotos.de)

„Irene. Deine Muschel. Aus ihr möchte ich trinken“

Wahnsinn, was eine Wienerin jetzt aufdeckt: Sie analysierte tausende Liebesbriefe aus mehr als hundert Jahren, und fand dabei heraus, wie sich die "Sprache des Sexuellen" im Laufe der Zeit geändert hat.

Liebe, Lust, Eifersucht und Hass. Elfriede Hämmerle von der Universität Wien durchforstete Liebesbriefe von 1870 bis heute, und gilt damit als Expertin in Sachen geschriebene Erotik. "Tatsächlich ist der Liebesbrief der intimste aller Textkörper", so die Historikerin gegenüber dem Spiegel, über ein Jahrhundert und mehr wurde die "Sprache des Sexuellen" immer wieder neu erfunden.


"… meinen Sch...z hineinstecken"

Fakt ist: Das Schreiben der Werber könnte unterschiedlich nicht sein. Ein Liebesbrief aus den 80er- Jahren hat etwa folgendes zum Inhalt. "Irene - deine Muschel, möchte aus ihr trinken - Wärme, meinen Schwanz hineinstecken, Zerbrechen, Ruhe, an deiner Brust saugen, albern, Pläne schmieden, Kopf anrennen - lachen. Beißen, Kratzen, Kneten. Kaum berühren. Nur Ansehen - und wissen. Liebe. Du. Ich. Wir."

Knapp hundert Jahre zuvor ist in einem Liebesbrief aus 1874 zu lesen. "Herzliebchen mein! Schau‘ ich Dein Götterantlitz lichtumworben, aufflammend in der Schönheit Wunderpracht: Da däucht mir’s wie ein Friedenshauch von oben, wie Himmelstroß, der glücklich- selig macht".

Blick in die Beziehung

"Durch den Brief bekommt die Liebeserklärung noch mal eine andere Wertigkeit", so Ingrid Bauer von der Universität Salzburg, die gemeinsam mit Hämmerle das Buch "Liebe schreiben. Paarkorrespondenzen im Kontext des 19. Und 20. Jahrhunderts" veröffentlichte: "Jeder Liebesbrief ist ein Blick ins Herz einer intimen Beziehung!"

Erotische Metaphern

Wie werden erotischen Phantasien, Wünsche, Vorlieben in einem Liebesbrief ausgedrückt? Laut der Wissenschaftlerin meist durch Metaphern. So finden sich etwa zahlreiche bildhafte Vergleiche mit der Lust wieder, etwa: "Ich habe einen Heßhunger nach dir!" Oder: " In mir zittert und siedet alles". Und: "So werden wir morgen ineinander verschmelzen". Direkter wird man ab den 1960er- Jahren. Doch obszön? "Selten. Es bleibt ein vorsichtiges Herantasten, wenn Verliebte über Sex schreiben!", so die Historikerin.


Renaissance bei Onlinepartnerbörsen

Ob die Internetära mit den klassischen Liebesbriefen endgültig Schluss gemacht hat? Mitnichten! Zwar ist es ein Fakt, dass der Liebesbrief in den letzten Jahren wohl den größten Wandel durchmachte, vor allem als handschriftliches Dokument. Doch in elektronischer Form erlebt er dank Online- Partnerbörsen ein Comeback. "Hier erleben Liebesbriefe eine wahre Renaissance", so Hämmerle. "Denn das Bedürfnis, über Liebe zu schreiben, bleibt." Wenn auch nur auf 140 Zeichen reduziert…

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Redakteurin
Anna Richter-Trummer
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