Dumitru: "Ich habe den höchsten Job Wiens"  (Bild: IFMS Fassadenreinigung)

Dumitru: "Ich habe den höchsten Job Wiens"

Dumitru Bata ist 30 Jahre alt und reinigt die Fenster am höchsten Gebäude Wiens. Einmal jährlich geht es, gemeinsam mit seinen Kollegen und an einer Gondel befestigt, bis zu 220 Meter in die Höhe. City4U hat den Wiener mit dem höchsten Job zum Interview gebeten.

Dumitru Bata (30) ist schon seit vielen Jahren in der Reinigungsbranche tätig, den DC- Tower reinigt er seit dessen "Beginn", also seit er im Oktober 2013 vom Betreiber übernommen wurde. Die erste Fassadenreinigung fand im Jahr 2014 statt. Seitdem wird der DC- Tower außen einmal jährlich gereinigt - und je nach Wetterlage kann das bis zu drei Monate in Anspruch nehmen.

# Sie reinigen die Fenster am höchsten Gebäude Wiens. Wir nehmen an, Sie haben keine Höhenangst. Aber, beschleicht einen nicht trotzdem ein mulmiges Gefühl?

Nein, kein mulmiges Gefühl. Warum auch? Am Dach stehen zwei je 30 Tonnen schwere Kräne, die auf Schienen fahren und die Fassadenschiffe bzw. Gondeln bewegen. Die Gondel in der wir stehen ist also wirklich gut gesichert. Und wir selbst sind auch wiederum an der Gondel gesichert.

# Wie wird man denn gesichert?

Das sind spezielle Körpergurte mit Schulter- und Beingurten. Diese "umfassen" die beiden Oberschenkel und den Oberkörper. Die Körpergurte werden an der Gondel gesichert.

# Benötigt man dafür eine eigene Einschulung?

Wir werden jährlich vom Hersteller und Betreiber auf die Gondel geschult und eingewiesen. Bevor wir in die Gondel einsteigen, machen wir einen Sicherheitscheck, um zu schauen, ob alles funktioniert und die Gondel keine sichtbaren Schäden aufweist.

Bei der Arbeit sind Sicherheitsschuhe, Helm, Handschuhe und Sicherheitsgurt Pflicht. Richtig angezogen und gesichert muss natürlich auch alles sein! Das kontrollieren wir vor jedem Einsatz. Darüber hinaus haben wir immer auch noch Trinkwasser, Sonnenbrillen, Sonnencreme, Windmessgeräte mit Reservebatterien und Funkgeräte mit Reservebatterien in der Gondel. Auch ein Handy mit vollem Akku ist immer dabei. So haben wir die Möglichkeit, etwaige Schäden an der Fassade zu fotografieren und zu dokumentieren.

Sicherheit ist "das oberste Gebot" hier in bis zu 220 Metern Höhe: Alles, was wir mithaben an Reinigungsutensilien, muss befestigt sein. Nichts darf frei herumliegen, sondern muss am Körpergurt oder an der Gondel befestigt sein.

# Braucht man eigentlich eine eigene Befähigung um so hoch seinen Dienst versehen zu dürfen?

Von der fachlichen Seite her sind wir geprüfte Sonderreiniger und werden jährlich speziell auf die Fassade unterwiesen. Ich mache darüber hinaus gerade meine Meisterprüfung.

Und dann müssen wir noch körperlich fit sein: Wir werden jährlich vom Arbeitsmediziner untersucht, ob wir für die Arbeit geeignet sind. (lacht) Noch sind wir top- fit...

# Haben Sie manchmal Angst, so hoch oben, dass doch etwas passieren könnte?

Nein, wir konzentrieren uns immer auf die Arbeit und denken nicht über "was wäre wenn" nach. Aber wir wissen, dass alles immer doppelt gesichert ist.

# Gibt es Wetterverhältnisse wie etwa starker Wind, bei denen Sie nicht arbeiten können?

Ja, wir reinigen nur bei schönem Wetter (lacht). Bei einer Windgeschwindigkeit von über 40 Kilometer pro Stunde darf die Gondel nicht in Betrieb genommen werden. Praktisch können wir bei einer Windgeschwindigkeit von bis zu 30 Kilometer pro Stunde reinigen, bevor es zu gefährlich wird. Auch sollten wir nicht gegen den Wind reinigen, sonst spritzen wir die sauberen Fenster wieder an. Zusätzlich muss man aber auch auf die Sonne schauen: Welche Seite beginne ich in der Früh zu putzen, damit ich zum Beispiel keine direkte Sonneneinstrahlung oder zu starke Reflexionen habe. Und wenn es kälter als fünf Grad Celsius wird, können wir auch nicht mehr arbeiten.

# Wie viele Leute sind denn insgesamt für die Reinigung des DC Towers im Einsatz?

Zwischen drei und sechs Personen. Drei Fensterputzer können je Gondel arbeiten. Insgesamt gibt es zwei Fassadenschiffe, wobei heuer aber eines anderweitig im Einsatz ist. Daher ist aktuell für die Reinigung nur eine Gondel mit drei Personen im Einsatz.

# Und, wie viele "Fenster" hat der Tower?

(lacht) Tausende, ich habe sie aber noch nicht alle gezählt. Insgesamt sind ca. 32.000 Qudratmeter Glasfassade am Gebäude (von rund 35.000 Quadratmeter Fassade insgesamt). Das entspricht in etwa der Fläche von fünf Fußballfeldern ...

# Gibt es Unterschiede bei der Reinigung eines so hohen Gebäudes im Gegensatz zu einem normalen Gebäude?

(lacht) Die Aussicht von oben ist hier schöner und es ist ruhiger oben: man hat eine gute Fernsicht und sieht an klaren Tagen bis zum Schneeberg.

# Und, welche Materialien benötigt man für die Reinigung der Aussenfassaden?

Vielleicht erwartet man sich etwas Besonderes - aber wir verwende "ganz normales" Reinigungsmaterial: Einen Fensterreiniger - dieser ist von der Gütegemeinschaft Reinigung von Fassaden e.V. zugelassen. Dann haben wir unseren T- förmigen Einwascher aus Mikrofaser, der praktisch gesprochen mit Hilfe des Fensterreinigers den Schmutz von der Scheibe "reißt" und einen Hand- Fensterwischer, mit dem wir die Feuchtigkeit abziehen. Das war’s. Wichtig ist nur, dass nicht abrasiv gereinigt wird - also ohne Druck oder Schleifen, denn das Glas ist doch sehr empfindlich.

# Zum Abschluss noch: Was macht Ihren Beruf zu etwas ganz Besonderem?

Ich weiß nicht ... Vielleicht die 20 Sekunden Fahrt in der Früh mit dem Hochgeschwindigkeits- Lift, der mich nach oben in den 58. Stock bringt? Von dort geht es dann das letzte Stück zu Fuß weiter auf’s Dach. Und die Aussicht natürlich. Aber daran gewöhnt man sich rasch.

# Ist es Ihr Traumberuf?

Ich mache meinen Beruf sehr gerne: es ist gutes Geld für gute Arbeit. Und man ist viel an der frischen Luft und das ist schön.


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Redakteurin
Julia Ichner
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