Cro im Interview: "Folge nur dem eigenen Impuls"  (Bild: Wallpaper.de)

Cro im Interview: "Folge nur dem eigenen Impuls"

Er ist der Mann mit der Pandamaske - und derzeit einer der angesagtesten Rap- Stars der Szene: Cro - in echt Carlo W. aus Stuttgart - gab jetzt eines seiner seltenen Interviews. Im "Red Bulletin" spricht er über sein unbekümmertes Leben und seinen ersten Film. City4U bringt euch Auszüge davon.

Wie schaffst du es eigentlich, vier Jahre lang freundliche, lebensbejahende Songs rauszu­hauen. Wie geht so viel gute Laune?

Nenn mir einen Grund, der gegen gute Laune spricht!

Zum Beispiel: Es ist 14 Uhr. Du bist ­gerade erst aufgestanden.

Schlafen kann ich ja richtig gut. Aber wenn ich gerade nicht schlafe, hab ich immer wahnsinnig viel Bock drauf, etwas zu tun. Immer.

Jetzt zum Beispiel?

Einen Smoothie trinken. Mit Karotte. Oder ein Bild malen. Ja, ein Bild malen. Malen ist derzeit überhaupt meine größte Leiden­schaft. Sollte ich jemals nicht mehr dauernd durchdrehen, würde ich mich wahrscheinlich durch den Tag malen, bis in den Abend, ganz chillig. Oder nee. Ich kann Stille nicht so gut ertragen.

Du scheinst für jedes Projekt, das du durchziehst, ein goldenes Händchen zu haben: Musik, Graffiti, DJ, Mode, Produzent. Gelingt dir immer alles?

Wenn mich etwas wirklich interessiert, dann häng ich mich da voll rein. Ich kann nicht anders. Und so richtig auf die Fresse gefallen bin ich noch nie, stimmt schon.

Woran liegt das? Irgendeine Idee?

Wahrscheinlich, weil ich nur Dinge ­mache, die mir wirklich Spaß machen. Und nicht zu viel drüber nachdenke, wie das bei anderen ankommt. Sich mit dem Gerede der anderen zu beschäftigen hält einen nur auf. Lieber dem eigenen Impuls folgen. Zack, bumm, los! Spontan sein. Locker bleiben. Den Moment genießen. Der Impuls weiß schon, was gerade passt.

Klingt ein bisschen zu einfach.

Ist doch einfach! Leichtigkeit oder ­Optimismus oder Spaß am Leben - nenn es, wie du willst - sind ja keine Gaben, mit denen man geboren wird. Dafür muss man sich entscheiden. Will man das? Dann muss man es tun. So ist das. Was hab ich denn, nur so als Beispiel, davon, wenn ich mich mit der Frage belaste, was ein Kritiker über meinen neuen Film oder das neue Album denkt oder schreibt? Das kann ich sowieso nicht beeinflussen.

Emotionen lassen sich nicht so steuern.

Ich bin nicht 24 Stunden am Tag oberkrass fröhlich, wenn du das meinst. Logisch krieg ich mal schlechte Laune, wenn es mal nicht läuft im Studio. Aber das ist eben der Zyklus. Entscheidend ist die Grundstimmung. Wie man damit umgeht. Ob man sich runterziehen lässt. Oder nicht. Es gibt jedenfalls bessere Hausmittel gegen kreative Löcher oder Stress mit der Freundin, als dämlich rumzuheulen.

Zum Beispiel?

Ablenkung! Ich lenk mich mit Musik ab. Wenn das nicht funktioniert: Malen. Wenn das nicht funktioniert: Mit einem abgefuckten VW mit Müll auf der Rückbank zu McDonald’s heizen, mit Blick auf die Stadt das Zeug in sich reinstopfen. Wenn das nicht funktioniert: Feiern gehen. Mädels einladen. Und wenn das nicht funktioniert, was unwahrscheinlich ist, dann ist es okay, sich im Pool in Embryonalstellung zusammenzurollen und stundenlang zu heulen. Ansonsten: Party machen und ja sagen.

Ja zu …?

Ja zu allem. Grundsätzlich einmal: ja.

Zum Major- Label- Plattenvertrag hast du, als "Easy" 2011 über Nacht zum Megahit wurde, aber nein gesagt.

Hab ich zu Chimperator (seit 2011 Cros Stuttgarter Label) anfangs auch. Weil ich nie den Plan hatte, als Rapper rauszukommen. Musik war mein Hobby. Das zufällig alle gut fanden. Bis ich zwei Tracks im Netz hochgeladen hatte und Chimperator auf mich zukam. Hab sie dann ein Jahr zappeln lassen. Aber sie gaben keine Ruhe. Irgendwann kam die Idee mit dem Video zu "Easy", und plötzlich ging das Ding auf YouTube durch die Decke. Und dann kam der Tag, an dem ich zum Rappen doch ja gesagt habe.

Dein drittes Album erscheint wahrscheinlich irgendwann 2017. Wie steckst du den Druck weg, an die Performance der letzten zwei Alben anzuschließen?

Druck? Die Arbeit an einem Album ist mein Spielplatz. Wir sind die Einzigen im Freizeitpark, und wir haben Freitickets für alle Hochschaubahnen, können alles ausprobieren. Das Album wird der Knaller.

Aber auch Abseits des Musikbusiness ist Cro aktiv: Sein Filmdebüt "Unsere Zeit ist jetzt" ist ein lustiger Mix aus Realität und Fiktion. Cro (gespielt von Cro) ruft zum Ideenwettbewerb auf, um sein Leben zu verfilmen. Drei Ideen beeindrucken ihn: Eine Doku von Filmstudentin Vanessa, ein Comicfilm von Ludwig und das Cro- Zukunftsszenario von Dawid (Cro mit Übergewicht!). Es ändert das Leben aller Beteiligten. Cool: in Nebenrollen spielen Til Schweiger und Wotan Wilke Möhring.

Was meint ihr? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

zet

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