Breakdance ist unser Leben  (Bild: Daniel Horvatits)

Breakdance ist unser Leben

Seit über vier Jahrzehenten drehen sich Breakdancer zu Hip-Hop-Sounds und beeindrucken Zuseher mit akrobatischen Powermoves. Mittlerweile ist die Szene zwar alles andere als Mainstream, aber trotzdem nicht weniger spektakulär. City besuchte vier Wiener B-Boys und sprach mit ihnen über fehlende Trainingsmöglichkeiten, Tanzen als Lebensphilosophie und den neuerlich einsetzenden Breakdance-Boom.
Video: City

Die Hintergründe für den Erstkontakt mit der Breakdance- Szene sind unterschiedlich – entweder war es die Scheidung der Eltern, die Suche nach Selbstfindung oder ein Musikvideo auf MTV. Der Ort war hingegen immer der selbe: Breakdance findet in Wien nicht im Rampenlicht auf der glamourösen Showbühne, sondern im Jugendzentrum statt. Zumindest bis zum vollendeten 21. Lebensjahr. Dann muss die eingeschworene B- Boys- Karawane meistens weiterziehen und einen neuen Ort finden, der sie aufnimmt. "Wir trainieren durchschnittlich vier bis fünf Tage pro Woche, je zwei bis drei Stunden. Derzeit entweder im Fünferhaus in Margareten, in Räumen die wir selber mieten, oder jeden Donnerstag im WUK in der Währingerstraße", erklärt Marco.

Die Community kennt sich

"In Wien gibt es aktuell etwa 20 B- Boys und Girls, zehn davon sind aktiv und nehmen an Wettkämpfen – sogenannten Battles – teil", gewährt Valo einen Einblick in die Community. Für österreichische Verhältnisse ist Valo schon richtig "big", nach 2013 gewann er dieses Jahr zum zweiten Mal das Red Bull BC One Austria Cypher- Event. Als Belohnung darf er nun auf Kosten des Getränkeherstellers zum großen Finale nach Madrid fliegen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Valo voller Ruhm und reich durch unsere Straßen zieht: "Breakdance ist ein Teil der Hip- Hop- Kultur, da geht es um Selbstfindung, um Peace, Love und Unity. Krieg, Geld und Ruhm sind bei Breakdance nebensächlich."

"Ich habe kein Verlangen, damit reich zu werden. Breakdance macht man für sich selbst. Ich lebe dafür, weil ich es liebe. Breakdance ist für mich eine Lebenseinstellung", ergänzt Trainingspartner Ghostrider.

"Verletzungen halten uns nicht vom Tanzen ab."

Alle vier B- Boys erklären im City- Talk, dass das Verletzungsrisiko bei "richtigem" Training zwar gering sei, trotzdem sind ihre Krankenakten gut gefüllt: Verletzungen am Knie gehören zum Alltag. "Ich hatte auch schonmal einen Bänderriss, aber das ist für mich keine Verletzung, sondern ein Grund, um noch stärker zu werden", spricht Lil Sunji. Auch Valo performte schon, trotz eines Adduktorenrisses: "Jetzt bin ich aber wieder back!"

"Back" ist auch der Trend zum Breakdance, die Community erlebt in den letzten Wochen einen regelrechten Boom: "Es läuft besser, immer mehr Leute kommen dazu. Wir unterrichten jeden Donnerstag im WUK, ansonsten in Tanzschulen. Klar hätten wir gerne einen eigenen Raum, aber wir pushen uns gegenseitig – und irgendwann kommt in Wien auch ein richtiges Hip- Hop- Center dazu!"

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