1 Jahr MaHü: Heiß umfehdet, wild umstritten  (Bild: City4U)

1 Jahr MaHü: Heiß umfehdet, wild umstritten

Ende Juli letzten Jahres ist die Mariahilfer Straße zur Fußgänger- und Begegnungszone erklärt worden. Die Änderungen wurden heftig debattiert und kritisiert. Nun flanieren Menschen - neben vereinzelten Radfahrern - dort entlang, wo früher Autos fuhren. City4U wagte einen Lokalaugenschein...

Anrainerinitiativen, Wirtschaftskammer & Co.: Die grüne Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou hatte für ihr Prestigeprojekt "Mariahilfer Straße Neu" heftige Kritik einstecken müssen. Kurz vor Fertigstellung untermauerten Umfragen der Stadt dann jedoch die Zustimmung der Wiener zu ihrer umgebauten "Mahü" und auch die Bezirke Mariahilf und Neubau zeigten sich zufrieden mit den Änderungen.

Seitdem ist ein Jahr vergangen. Maria Vassilakou (Grüne) gegenüber der APA: "Ein Jahr nach dem Umbau wird die neue Mariahilfer Straße von den Wienerinnen und Wienern voll angenommen. Das Konzept funktioniert gut und geht auf, sowohl in den Begegnungszonen als auch in der Fußgängerzone gibt es keine Probleme."

Doch, ist dem wirklich so? Die Wirtschaftskammer Wien erklärt in ihrer jüngsten Aussendung deutlich: "Die Mariahilfer Straße braucht Belebungsmaßnahmen!" und unterstreicht, "dass die Mariahilfer Straße nach dem Umbau generell an Frequenz und speziell an Kaufwilligen eingebüßt hat". Geschrieben wird von einem "Rückgang der zahlungskräftigen Käuferschicht um 13 Prozent", die rasche Umsetzung einer Tourismuszone wird als die Lösung gesehen.

Doch, was meinen die Passanten, Geschäftsbetreiber und Verkäufer vor Ort? City4U hat sich umgehört und - auch hier scheinen die Meinungen gespalten.

Lokalaugenschein auf der Mariahilfer Straße

So ist Renate (50), seit einigen Jahren Verkäuferin bei Claire´s, überzeugt: "Ich bin sehr lange schon da und kann entsprechend sagen: Seit der Mariahilfer Straße Neu gibt es hier mehr Drogensüchtige und Bettler! Ich war nie dafür und bin noch immer dagegen!" Ein weiterer Punkt ärgert die Angestellte: "Trotz Fußgängerzone muss man immer aufpassen wo man geht und vorsichtig sein, immerhin fahren nun viele Radfahrer entlang und zwischendurch verirren sich doch auch noch immer einige Autos!"

Verkäuferin Manuela R. (47) arbeitet seit drei Jahren in einem kleinen Hut- Laden auf der Mariahilfer Straße und kann dies nur bestätigen: "Es ist teilweise sehr gefährlich, vor allem, weil man die Radfahrer ja nicht hört!", entdeckt jedoch ein für den Handel viel größeres Problem durch den Umbau: "Es gibt mehr Frequenz, aber eben weil viel mehr Spaziergänger hier sind, der Umsatz hat sich dennoch verringer. Dabei, ehrlich: Wenn ich spazieren will, geh ich in den Lainzer Tiergarten, aber nicht auf die Mahü!"

Das kann Verkäufer Tim (36) nicht ganz nachvollziehen: "Ich finde die Mariahilfer Straße Neu super! Wir haben mehr Laufkundschaft und auch die Umsätze steigen wieder, da so auch mehr Touristen kommen!"

Betreffend Umsatz merkt auch Verkäuferin Grazyna (45) nichts: "Es sind mehr Leute unterwegs, die sich zuerst auf einen Kaffee treffen und dann zu uns einkaufen gehen. Das einzige Manko ist die Parkplatzsituation, vor allem weil die Garagen extrem teuer sind. Da überlegt man, ob man mit dem Auto kommt!"

Kein Auto stellt für die beiden Studenten Vedran (25) und Michaela (22) kein Problem dar. Sie schlendern gerne über die "neue" Mariahiler Straße: "Es ist cool, dass die Mariahilfer Straße nun eine Fußgängerzone ist. Kein Stress mehr, alles relativ lässig!"

Dem schließt sich auch Managerin Georgia (45) an: "Ich finde es sehr gut und angenehm zum einkaufen gehen. Ein Auto braucht man in Wien nicht, man kann ja auch mit der U- Bahn kommen!"

Und, auch Studentin Kerstin (28) kann nur positives erkennen: "Ich bin gerade erst her gezogen und das erste Mal da. Aber es ist toll, ich finde es super!"

Ein wenig kritischer betrachtet Studentin Kathi (21) die Situation: "Prinzipiell finde ich die Mariahilfer Straße Neu nicht schlecht, es hat jedoch recht lange gedauert bis sie endlich fertig war und sicherlich auch entsprechend viel gekostet!"

Und, die Touristen? Die scheinen begeistert! "That´s so good! I like it very much!" schreit Soleng (61) fast, gut gelaunt. - Fragt dann aber im selben Moment doch auch, wie sie am schnellsten Weg zur Kärntnerstraße kommt...

Zumindest auf Instagram sind sich die User im Bezug auf die 1.800 Meter lange Einkaufsstraße einig: "Die neue Mariahilferstraße ist das beste was Wien seit Jahrzehnten passiert ist" und "Die Fußgängerzone lebt!" sind hier unter anderem zu lesen.

Was meint ihr dazu? Postet uns in den Kommentaren oder schreibt uns mit Hashtag #City4U auf Facebook, Twitter oder Instagram!

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