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23.08.2017 - 16:19
Mercedes-AMG S 63
Foto: Stephan Schätzl

Die neue Mercedes- S- Klasse: Fackeln im Sturm

20.07.2017, 00:41

Es ist das Südstaaten- Drama der automobilen Oberklasse: München gegen Ingolstadt gegen Stuttgart - wobei sich die Dramatik angesichts des klaren weltweiten Verkaufs- Vorsprungs der Mercedes- S-Klasse eigentlich in Grenzen hält, auch wenn gerade der neue Audi A8 vorgestellt wurde. Umso mehr, als Daimler sein Flaggschiff gerade tiefgreifend erneuert ins Rennen schickt.

Optisches Zeichen der Erneuerung ist die aufgefrischte Front mit den je drei sogenannten Lichtfackeln in den optionalen adaptiven LED- Scheinwerfern, also Leuchtstreifen, welche die Baureihen- Zugehörigkeit verdeutlichen (eine Fackel: C- Klasse; zwei Fackeln: E- Klasse; drei Fackeln: S- Klasse). Außerdem übertrifft die S- Klasse jetzt den vorgepreschten kleineren Bruder E- Klasse endlich wieder bei den Assistenzsystemen und erfährt auch einige Updates in der Fahrzeugbedienung.

Die technisch tiefgreifendste Änderung ist jedoch die milliardenteure Entwicklung einer neuen Motorenfamilie, der Reihen- Sechszylinder- statt V6- Motoren als Benziner und Diesel angehören, sowie eines neuen V8- Biturbo- Benziners mit Zylinderabschaltung, der bis zu 612 PS leistet. Auch die Benziner sind übrigens mit Partikelfilter ausgerüstet.

Hightech für Power im Punch bei geringem Verbrauch

Das technische Highlight unter der Motorhaube ist der neue Reihen- Sechszylinder- Benziner, der in der stärkeren Version mit 435 PS den V8 im S 500 ersetzt (als S 450 kommt er auf 367 PS). Das Dreiliter- Triebwerk hängt in einem 48- Volt- Bordnetz, über das es seine Nebenaggregate riemenlos, elektrisch antreibt. Vor allem sorgt das neue Aggregat auf zwei Wegen für elektrischen Extra- Schub:

Zum einen sitzt ein "Integrierter Startergenerator" direkt zwischen Motor und Getriebe; dort unterstützt er den Antrieb kurzzeitig mit bis zu 250 Nm bzw. 22 PS, entweder als Booster zum Anfahren und Beschleunigen oder als Rückenwind für die Segelfunktion der neuen Neungang- Automatik. Außerdem lädt er per Rekuperation die 0,9 kWh fassende Lithium- Ionen- Batterie.

Zum anderen füllt ein elektrischer Lader das Turboloch des TwinScroll- Turboladers. Das Ergebnis ist ein gewaltiger Antritt schon aus niedrigsten Drehzahlen und ein Normverbrauch von nur 6,6 l/100 km beim S 500 (2,5 Liter weniger als beim abgelösten V8). Nicht viel für einen 1,9- Tonner, der den Sprint auf 100 km/h in sportlichen 4,8 Sekunden schafft.

Vom Spare- Diesel bis zur Sport- Maschine

Eng verwandt mit dem genannten R6- Benziner sind die beiden Diesel, die mit 2925 cm³ etwas weniger Hubraum aufweisen und auf das 48- Volt- Netz verzichten. Sie kommen auf 286 bzw. 340 PS und stemmen bereits ab 1200/min. ein maximales Drehmoment von 600 bzw. 700 Nm. Schon der schwächste Selbstzünder weist mit 6,0 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h Sprinterqualitäten auf, glänzt aber auch mit einem Normverbrauch von 5,1 l/100 km.

Top- Benziner in der "zivilen" S- Klasse ist der Vierliter- V8, der mit zwei TwinScroll- Turboladern 469 PS leistet. Er geht (vor allem bei hohem Tempo) nochmals souveräner zu Werke als seine kleineren Benzinbrüder, genehmigt sich aber im besten Fall auch 7,9 l/100 km.

Es geht auch noch stärker, im Mercedes- AMG S 63 - dann aber im AMG- Trimm, völlig neuem Allradantrieb, adaptivem AMG- Fahrwerk, entsprechenden Bremsen und was man in Affalterbach sonst noch so drauf hat. 612 PS und 900 Nm fallen dann über den Antriebsstrang her, der die Kraft dann variabel auf die Achsen verteilt. Wobei - überfallsartig passiert das nicht, sondern absolut geschmeidig, sogar im Sport- Plus- Modus. Trotzdem stehen nach 3,5 Sekunden 100 km/h auf der Uhr!

Unangetastet blieb der V12- Motor im AMG S 65. Ende des Jahres folgt noch ein Plug- in- Hybrid auf Basis des V6- Benziners, der 50 Kilometer rein elektrisch zurücklegen kann.

S wie Sänfte

Das Magic- Body- Control- Fahrwerk, das die Straße scannt und die Feder- Dämpfer- Einstellung mit vorauseilendem Gehorsam anpasst, wurde verbessert und funktioniert nun bis 180 km/h. Außerdem kann es sich neuerdings regelrecht in die Kurve legen (um 2,65 Grad), und so die Querkräfte, die auf die Insassen wirken, verringern. Zusätzlich kann man den Charakter des Fahrwerks mit dem Moduswahlschalter beeinflussen. Die Luftfederung mit Niveauregulierung ist serienmäßig.

Wellness- Oase im Innenraum

Den Innenraum bezeichnen sie bei Daimler nun gerne als Wellness- Bereich, weil sie Komfort- Features in der "Energizing Komfortsteuerung" zusammengefasst haben. So gibt es zehn Minuten dauernde Programme (Frische, Wärme, Vitalität, Freude, Behaglichkeit, Training), die u.a. mit Lichtfarben, Wärme, Massage und speziell abgestimmter Musik die Stimmungswelt der Insassen beeinflussen sollen.

Ob das ein Must- Have ist, sei dahingestellt, aber dass das aus der E- Klasse bekannte durchgängige Riesendisplay, welches sich vom Tachobereich bis in die Mittelkonsole zieht, nun endlich serienmäßig die S- Klasse ziert, war hoch an der Zeit. Dass das ganze Navitainment dahinter (trotz Blackberry- Touch- Elementen am Lenkrad) noch immer nicht so intuitiv zu bedienen ist wie in einem BMW, ist allerdings schade. Bei Luxus und Eleganz des Ambientes liegen die Stuttgarter aber vorn.

Verabschiedet hat sich Mercedes von dem Extra- Lenkstockhebel für den (Abstands- )Tempomaten. Dessen Bedienelemente liegen nun (wie bei BMW) im Lenkrad. Der Blinkerhebel bleibt dennoch etwas zu hoch montiert.

Nächste Stufe der Assistenzsysteme

Mit dem Facelift wird die S- Klasse wieder zur technologischen Speerspitze im Mercedes- Modellprogramm. Optional parken die Fahrzeuge ohne jegliches Zutun des Fahrers selbständig ein, sogar wenn er vorher aussteigt, sie bremsen, wenn nötig, für überraschenden Querverkehr oder plötzlich auftauchende Fußgänger. Bis 100 km/h verhindert die S- Klasse auch einen Unfall, wenn der Fahrer ein Stauende übersieht.

Das teilautonome Fahren wurde verbessert, Fehler, die in der E- Klasse (speziell beim automatischen Spurwechsel) noch vorhanden waren, wurden ausgemerzt. Der adaptive Tempomat kann das Tempo nun nicht mehr nur am Vordermann anpassen, sondern auch an der Streckenführung. So verringert der Mercedes selbständig die Geschwindigkeit vor einem Kreisverkehr oder generell vor Kurven, wenn nötig. Wie sehr der Wagen vom Gas geht, hängt auch vom gewählten Fahrmodus ab. Im Stop- &- Go- Verkehr sind bis zu 30- sekündige Stopps möglich, ohne dass der Fahrer wieder Gas geben muss. Wie in der E- Klasse kann der Tempomat das aktuell geltende Tempolimit übernehmen - allerdings nur exakt diesen Wert. Ein generelles Nachjustieren (also etwa immer X km/h über oder dem Limit), wie es etwa BMW anbietet, ist nicht vorgesehen.

Unterm Strich

Die Mercedes- S-Klasse ist wieder das Technik- und Komfort- Flaggschiff der Stuttgarter. Technikaffine Kunden müssen nicht mehr zur E- Klasse greifen, sondern können 100.000 Euro aufwärts in die Oberklasse stecken. Nach oben gibt es kaum Grenzen. 173.000 Euro für den Maybach, 200.000 Euro für den AMG S 63, oder weit über 300.000 Euro für den V12? Dazwischen hat man die Wahl zwischen Normal- und Langversion, teilweise Heck- oder Allradantrieb, außerdem ist die Aufpreisliste lang und beinhaltet Schmankerl, für die man (gut und) gerne eine nicht zu knappe fünfstellige Summe drauflegt.

Eines wird die S- Klasse wohl auch in ihrer neuesten Version bleiben: die weltweit meistverkaufte Luxus- Limousine.

Warum?

  • Technisch mehr als auf aktuellem Stand
  • Extrem souveräner Auftritt
  • Sehr gut funktionierende Assistenzsysteme

Warum nicht

  • Bedienung des Navitainment nicht ideal

Oder vielleicht …

… Audi A8, 7er- BMW, Porsche Panamera

Redakteur
Stephan Schätzl
Kommentare  
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