Ein Team um Elodie Briefer von der Queen Mary University of London hatte das Verhalten von Zwergziegen auf einem Bauernhof in Nottinghamshire untersucht. Zunächst wurden die Laute fünf Wochen alter Ziegenkitze aufgenommen. Diese wurden den neun Muttertieren sofort und dann noch einmal elf bis 17 Monate später vorgespielt - und damit sieben bis 13 Monate, nachdem die Kitze entwöhnt waren, also keine Milch mehr bekamen.
Die Ziegen reagierten eindeutig stärker auf das Gemecker des eigenen Nachwuchses - wenn auch deutlich schwächer als fünf Wochen nach dessen Geburt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ziegenmütter so nicht nur Inzucht mit den Söhnen vermeiden, sondern auch eine stabile Beziehung zu den Töchtern aufrechterhalten: Die weiblichen Familienmitglieder bleiben oft ihr ganzes Leben in stabilen matriarchalischen Gruppen zusammen.
Ein erstaunlich lang anhaltendes Erinnerungsvermögen für Laute gebe es wahrscheinlich bei wesentlich mehr Säugetieren als bisher angenommen, schreiben die Forscher. Bekannt sei bereits, dass Australische Seelöwen und Nördliche Seebären sich mindestens zwei bis vier Jahre nach Entwöhnung an die Stimme ihres Nachwuchses erinnern. Und auch von der Verwandtschaft getrennte Lisztaffen erinnern sich selbst nach mehr als viereinhalb Jahren noch an deren Rufe.
Briefer hatte erst Anfang des Jahren mit Alan G. McElligott von der Queen Mary University Hinweise dafür gefunden, dass junge Ziegen in der Lage sind, bei ihrem Meckern so etwas wie einen Dialekt zu entwickeln (Bericht in der Infobox).