Vietnamesisches Waldrind bleibt weiter ein Rätsel

21.05.2012, 11:02
Vietnamesisches Waldrind bleibt weiter ein Rätsel (Bild:  (Bild: dapd))
Das äußerst seltene vietnamesische Waldrind bleibt auch 20 Jahre nach seiner spektakulären Entdeckung ein Rätsel für die Forschung. Bis heute habe noch kein Biologe das Tier in freier Wildbahn beobachten können, teilte am Montag die Weltnaturschutzunion IUCN mit. Die wenigen gefangenen Exemplare seien jeweils nach kurzer Zeit gestorben.

Die Umweltstiftung WWF geht davon aus, dass nur noch rund 200 Exemplare der in Vietnam als Saola bekannten Huftiere existieren. Es sei aber fast unmöglich, die Größe des Bestands sicher zu schätzen, sagte Stefan Ziegler vom WWF.

Das äußerst scheue Saola (Pseudoryx nghetinhensis) hat etwa die Ausmaße des mitteleuropäischen Rehs und ist rund 100 Kilo schwer. Das Tier ist in Zentralvietnam und dem benachbarten Laos beheimatet und äußerst scheu. Es hat zwei lange, gerade nach hinten gerichtete Hörner. Weil das Waldrind aber so geheimnisvoll ist, wurde es bereits mit dem sagenumwobenen "Einhorn" in Verbindung gebracht.

Sensationelle Entdeckung im Jahr 1992

Die Entdeckung des vietnamesischen Waldrinds war 1992 eine Sensation. Wissenschaftler hatten es nicht für möglich gehalten, auf der Welt noch einmal eine so große neue Säugetierart zu finden. Zunächst hatte man nur die Hörner des Tieres gefunden, bis erst einige Jahre später in lebendes Tier gefangen werden konnte.

Zuletzt gelang das Dorfbewohnern in der Provinz Bolikhamsai in Zentral- Laos im August 2010. Das Saola starb jedoch wenige Tage später. Angereiste Forscher konnten noch Fotos von dem lebenden Tier machen. 2011 richtete die Forstbehörde in Vietnam in der Provinz Quang Nam einen eigenen Schutzpark für das Waldrind ein, wo hin und wieder eines der Tiere in eine Fotofalle tappt (Bild 2). Wissenschaftler konnten das Tier aber bisher nicht in freier Wildbahn entdecken und beobachten.

Akut vom Aussterben bedroht

Das Saola ist akut vom Aussterben bedroht. In Vietnam mache dem Tier vor allem die Wilderei zu schaffen, erläuterte Ziegler. In Laos sei die Population verstärkt durch die Abholzung der Wälder gefährdet. Aufgrund des begrenzten Verbreitungsgebiets habe es vermutlich ohnehin nie viele Exemplare gegeben. Der stärkste Rückgang des Bestands sei wahrscheinlich - noch vor der wissenschaftlichen Entdeckung - durch die Folgeschäden des Vietnamkriegs verursacht worden.

AG/red
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