Für ihre Untersuchung, deren Ergebnissse jetzt im Fachjournal "Circulation" veröffentlicht wurden, hat ein Team um den Toxikologen Robert Devlin von der US-Umweltschutzbehörde EPA 23 junge und gesunde Probanden an verschiedenen Tagen je zwei Stunden einer erhöhten Ozon-Konzentration von 0,3 ppm (Parts per Million, zu Deutsch "Teile von einer Million") ausgesetzt.
Die Ergebnisse überraschten die Forscher: Im Blut der Versuchsteilnehmer seien um bis auf das Doppelte erhöhte Werte von Signalstoffen, die mit Entzündungsprozessen einhergehen, gemessen worden. Außerdem habe das Ozon die Konzentration von verschiedenen Proteinen, die für die Blutgerinnung verantwortlich sind, verändert, schreiben die Wissenschaftler. "Das hat uns wirklich überrascht und ich glaube, das ist eine der wichtigsten Entdeckungen in diesem Zusammenhang", ist Devlin überzeugt.
"Viele Luftverschmutzungsexperten - ich eingeschlossen - haben in der Vergangenheit eine Schädlichkeit von Ozon nur im Zusammenhang mit Partikeln oder anderen Schadstoffen gesehen", sagt Ko-Autor Douglas Dockery von der Harvard School of Public Health in Boston. Doch die neue Studie zeige, dass schon Ozon alleine akut und chronisch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Herzschlag erhöhe.
Ein typisches Sommerproblem
Ozon kommt in der Stratosphäre, einer Schicht der Erdatmosphäre, die sich in 15 bis 25 Kilometer Höhe befindet, vor. Dort hat das per se nicht schädliche Gas, dessen Moleküle aus je drei Sauerstoffatomen besteht, eine wichtige Funktion: Es hält einen Teil der UV-Strahlung der Sonne ab.
Während Feinstaub als Hauptkomponente der winterlichen Luftverschmutzung gilt, ist das sogenannte bodennahe Ozon, das sich an heißen Tagen aus Stickoxiden bildet, ein typisches Sommerproblem. Als aggressives Reizgas dringt Ozon aufgrund seiner geringen Wasserlöslichkeit tief in die Lunge ein, wo es Zellmembranen sowie Nervenendigungen im Atemwegsepithel angreift. In der Folge kommt es dort zu irritativen Veränderungen und Entzündungen. Problematisch ist in dieser Hinsicht das Zusammenwirken mit anderen Schadstoffen, beispielsweise können Feinstaub oder Pollen sowie Hitzebelastung die Ozon-Effekte verstärken.
Das bodennahe Ozon führt zu brennenden Augen, Kratzen im Hals, Husten, reizt die Atemwege und kann auch Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen sowie eine allgemeines Schwächegefühl auslösen. Betroffen sind sowohl Gesunde als auch empfindliche Personen wie z.B. Kinder und Asthmatiker. 2010 zeigte eine Studie, dass es bereits bei relativ niedrigen Ozon-Konzentrationen zu einem deutlichen Anstieg an Notfallaufnahmen für kindliches Asthma kommt.
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