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Tonaufnahme von Bertha von Suttner aufgetaucht

06.02.2012, 13:25
Tonaufnahme von Bertha von Suttner aufgetaucht (Bild: Österreichische Mediathek)
Foto: Österreichische Mediathek
Wiener Forscher haben auf einem Tonzylinder aus dem Jahr 1904 die vermutlich einzige Stimmaufnahme der österreichischen Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner entdeckt. Aufgrund eines Tagebucheintrags konnte das 1904 als "Gespräch von Tante Boulotte" betitelte Tondokument mit hoher Wahrscheinlichkeit der Friedensforscherin und Schriftstellerin zugeordnet werden.

Gefunden wurde die Tonwalze (hier  anhören) unter den Tausenden Tondokumenten, die die Österreichische Mediathek 2009 aus der privaten Sammlung der 2008 verstorbenen ORF- Radio- Legende Günther "Howdy" Schifter übernommen hat. Die enthielt neben zahlreichen Schellack- Schallplatten auch einige historische Tonzylinder. "Wir haben diese Tonwalzen dann gesichtet und festgestellt, dass auch eine von Bertha von Suttner dabei ist", so die Leiterin der Österreichischen Mediathek, Gabriele Fröschl.

Tagebuch bestätigt Aufnahmedatum

Die Vermutung, dass es sich dabei um die Stimme der Friedensnobelpreisträgerin von 1905 handeln könnte, begründet sich darin, dass Bertha von Suttner den Spitznamen "Tante Boulotte" verwendete und unter dem Pseudonym "B. Oulot" auch publizierte. Die Experten begannen zu recherchieren, ob es sich hier tatsächlich um eine Aufnahme der Friedensforscherin handelt. Dabei griffen sie auf biografische Daten zurück und wurden in ihrem Tagebuch fündig. Von Suttner schrieb an dem Tag, auf den die Walze datiert ist: "Ich spreche in das Grammophon." Auch der Ort des Tagebucheintrags (Ebenfurth in Niederösterreich) stimme überein. Es handle sich daher "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Bertha von Suttner", so Fröschl.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konnte auch nachgewiesen werden, dass die Walze tatsächlich aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts stammt. Dass es sich um eine Fälschung handelt, sei daher nahezu auszuschließen.

Äußerst schlechte Tonqualität

Die Qualität der damaligen Aufnahmen ist mit dem heutigen Standard nicht zu vergleichen. "Man versteht sie unglaublich schlecht", so Fröschl. Durch technische Nachbearbeitungen konnten die Forscher zwar kleine Verbesserungen erzielen, die Worte richtig zu verstehen, bleibe aber "eine Detektivarbeit". Die Aufnahme sei ein gutes Beispiel dafür, "wie früher Sprache aufgezeichnet wurde", denn auch damals hätten die Aufnahmen nicht unbedingt besser geklungen, so Fröschl.

Die Österreichische Mediathek hat die Aufnahme digitalisiert und tontechnisch aufbereitet online veröffentlicht  und bittet um Mithilfe bei der Entschlüsselung des schwer verständlichen Dokuments. Interessierte haben die Möglichkeit, sich an der Detektivarbeit zu beteiligen. Man hoffe, dass sich so "mehrere Ohren" an der Entschlüsselung versuchen.

AG/red
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