Eiweiß verdächtig

Schweizer Forscher finden Auslöser von Hautkrebs

Wissen
13.12.2011 09:46
"Die Menge macht das Gift", lautete die wohl bekannteste These des Wegbereiters der modernen Arzneimittellehre, Theophrastus Aureolus Bombast von Hohenheim, besser bekannt als Paracelsus. Dieser Grundsatz gilt offenbar auch für ein Eiweiß im Körper, das Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich unter die Lupe genommen haben.

Eigentlich lässt der Stoff namens Activin Wunden rascher heilen, ist er aber im Übermaß vorhanden, fördert er Hautkrebs. "Der Krebs benutzt dieselben Mechanismen, die auch eine Wunde zum Heilen braucht", wird Sabine Werner, Professorin für Zellbiologie an der ETH Zürich, im Onlinemagazin der Universität zitiert. Der Krebs unterwerfe sich diese Mechanismen und schalte sie nicht mehr aus, so die Forscherin. So kann Gewebe unkontrolliert wachsen - ein Tumor entsteht.

Werner und ihre Forschungsgruppe zeigen nun in einer im Fachmagazin "Nature Communications" erschienenen Studie den Zusammenhang zwischen Wundheilung und Hautkrebs auf. Sie untersuchten das Eiweiß Activin, von dem bereits bekannt war, dass es die Wundheilung beschleunigt.

Zuviel an Activin löst Hautkrebs aus
Die Forscher veränderten Labormäuse gentechnisch so, dass die Activin-Produktion in ihren Hautzellen ständig angekurbelt war. Dann behandelten die Wissenschaftler die Nager und solche, die nicht gentechnisch verändert waren, mit Chemikalien, die Hautkrebs auslösen können.

Es zeigte sich, dass die Mäuse mit viel Activin deutlich häufiger Tumore entwickelten und dass diese schneller und bösartiger wucherten. Die Forscher konnten auch aufzeigen, welche Zellen das Eiweiß umprogrammiert, auf welchem Weg der Tumor überhaupt entstehen kann.

Als nächstes bestimmten die Wissenschaftler den Activin-Pegel in menschlichem Krebsgewebe. Das Resultat war dasselbe wie im Mausmodell: Auch in den Gewebeproben war die Konzentration von Activin erhöht, insbesondere in den sogenannten bösartigen Plattenepitheltumoren, einem häufigen Hautkrebstyp.

Forscher wollen Eiweiß blockieren
Werner und ihre Kollegen wollen nun untersuchen, ob sich die Krebsgefahr bannen lässt, indem Activin mit einem Hemmstoff blockiert wird. Das könnte zwar die Wundheilung beeinträchtigen, doch das, so Werner, würden viele bestehende Krebstherapien auch tun.

Erst kürzlich haben Forscher der ETH in Lausanne ein Molekül entdeckt, das bei der Ausbreitung von Krebs im Körper eine Schlüsselrolle spielt (Bericht in der Infobox).

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