Der Empfänger des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ortet die sogenannten ADS-B-Signale (Automatic Dependance Surveillance Broadcast) der Flugzeuge mit einer speziellen Antenne, während Trägersatellit "Proba-V" in 820 Kilometern Höhe um die Erde kreist. In den nächsten zwei Jahren wollen die Forscher so erstmals testen, ob eine lückenlose Beobachtung von Flugrouten möglich ist, was bis dato in nicht radarüberwachten Gebieten unmöglich war. Die Ortung aus dem Weltall soll diese Lücke schließen.
Ortung in Gebieten ohne Infrastruktur
Ozeane, großflächige Gebiete ohne Infrastruktur oder die Pole - befindet sich ein Flugzeug in diesen Regionen, dann ist es über Radarstationen am Boden nicht mehr zu erfassen. Dafür ist die Reichweite der Radarstationen nicht ausreichend. "Allerdings senden die Flieger kontinuierlich mit ihren ADS-B-Signalen Angaben wie Höhe und Geschwindigkeit - und das wollen wir nutzen", erläutert Jörg Behrens, Abteilungsleiter am DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen.
In ersten Versuchen erwies sich das Projekt als erfolgreich: Bei Ballonflügen 2009 in Nordschweden ortete der Empfänger aus einer Höhe von knapp 30 Kilometern Flugzeuge bereits aus einer Entfernung von 1.100 Kilometern. "Wir konnten Flieger 'sehen', die beispielsweise von Peking nach Amsterdam über das Nordmeer flogen." In einem weiteren Versuch 2012 ließen die Forscher ihren Empfänger an einem Ballon in 40 Kilometer Höhe steigen und untersuchten, welche Störsignale er in einem dicht beflogenen und radarüberwachten Gebiet überstehen muss.
Premiere für die Ortung aus dem All
Für die Forscher ist der Mitflug auf "Proba-V" völliges Neuland. "Bisher wurde noch kein Satellit als Empfänger dieser ADS-B-Signale genutzt", erläutert Behrens. Mit dem ersten Test sollen nun auch die Charakteristika erfasst werden, mit denen die Flugzeuge das ADS-B-Signal abstrahlen. Immerhin sollen über Gebieten wie Zentraleuropa oder der Mitte der USA rund 4.000 Flugzeuge zur selben Zeit unterwegs sein. "Wir müssen Erfahrungen sammeln: Wo liegen die Grenzen unseres Empfängers und wo muss nachgebessert werden?"
Als Ergänzung zum bisherigen Radar-Ortungssystem könnte die Ortung aus dem Weltall in Zukunft dabei helfen, die Positionen der Flugzeuge kontinuierlicher zu erfassen. "Das würde es beispielsweise bei Flugzeugabstürzen erleichtern, die letzte Position zu kennen." Bisher melden sich die Piloten in regelmäßigen Abständen, erfolgt jedoch keine Meldung, bleibt der aktuelle Standort der Flieger unbekannt. Zudem würde eine kontinuierliche Ortung es möglich machen, den bisherigen Sicherheitsabstand von gut 90 Kilometern in den nicht radarüberwachten Gebieten zu verringern.
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