"Erstens wollen wir lernen, wie oft es da draußen Leben geben könnte, und zweitens könnten wir einen Blick auf die Zukunft unseres eigenen Planeten werfen, wenn man einen erdgleichen Himmelskörper findet, der schon in fortgeschrittenerem Alter ist", sagt die gebürtige Salzburgerin.
Suche nach verräterischen Elementen
Der Satellit namens "TESS" (Transiting Exoplanet Survey Satellite) wird Planeten außerhalb des Sonnensystems daran erkennen, dass sie sich vor ihre jeweiligen Sonnen schieben und dadurch deren Licht kurzzeitig schwächer wird. Dafür grast er den ganzen Sternenhimmel ab und hält Ausschau nach Planeten, die relativ nahe sind, also etwa 70 bis 100 Lichtjahre entfernt.
Das sei nahe genug, um später ihre Atmosphären auf Elemente hin zu untersuchen, die vermutlich nur von Lebewesen stammen können, erklärte Kaltenegger, die neun Monate im Jahr am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg und die restlichen drei am Harvard Smithsonian Center for Astrophysics in Boston forscht.
Wenn sich ein Planet von der Erde aus gesehen vor seine Sonne schiebt, kann das Licht, das durch seine Atmosphäre gedrungen ist und dessen Zusammensetzung entsprechend verändert wurde, mit einem Weltraumteleskop untersucht werden. Anhand des Spektrums, das man so erhält, könne man herausbekommen, wie die Atmosphäre des Planeten zusammengesetzt ist. Wären das etwa Wasserdampf, Sauerstoff und ein reduzierendes Gas, "dann hätten wir zurzeit keine andere Erklärung, als dass es dort Leben gibt", sagte Kaltenegger.
Satellit "TESS" soll 2017 starten
"TESS" soll 2017 starten und seine Suche 2019 beendet haben. Im Vergleich zum Weltraumteleskop Kepler, das bereits seit 2009 extrasolare Planeten sucht, werden die Zielsterne von "TESS" zehnmal näher zur Erde liegen. Erst diese Nähe wird es ermöglichen, auch die Atmosphäre erdähnlicher Planeten spektroskopisch zu untersuchen.
Notwendig dafür sind aber auch größere Teleskope, als heute zur Verfügung stehen: Erst das "James Webb Space Telescope", das im Jahr 2018 die Nachfolge des "Hubble"-Weltraumteleskops antreten soll, wäre mit einem Spiegeldurchmesser von 6,5 Metern dafür geeignet, so Kaltenegger. Bei großen Gasplaneten könne man zwar schon jetzt spektroskopieren, doch eine Atmosphäre wie jene der Erde wäre dafür zu dünn. "Wenn unser Planet ein Apfel wäre, hätte die Atmosphäre ungefähr die Abmessung der Schale", erklärte sie.
"Wir werden wahnsinnig spannende Sachen mit dieser Mission sehen und herausfinden, welche kleinen, felsartigen Planeten in Sonnennähe es gibt und auf welchen es Leben geben könnte, wie wir es kennen", sagte sie. Wenn "TESS" mit der Arbeit fertig ist, werde man vielleicht Hunderte, zumindest eine Handvoll erdähnlicher Planeten haben. "Dann wissen wir genau, wo wir mit dem 'James Webb Space Telescope' hinschauen müssen". Und die Suche nach Spuren von Leben auf diesen Planeten könne beginnen.
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