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Pilz verwandelt Ameisen in Zombies ohne Willen

18.08.2010, 11:29
Pilz verwandelt Ameisen in Zombies ohne Willen (Bild: Universität Bonn)
Foto: Universität Bonn
In asiatischen Regelwäldern verwandelt ein Pilz mit dem sperrigen wissenschaftlichen Namen Orphyocordyceps unilateralis tagtäglich Millionen von Ameisen in willenlose "Zombies". Vom Pilz befallene Tiere suchen sich ein Blatt rund 25 Zentimeter über dem Boden, verbeißen sich in dieses und sterben. Aus ihrem Körper wächst dann ein Pilzfaden mit Fruchtkörper (Bild), der Sporen enthält, die über die Luft verweht werden – auf der Suche nach neuen Opfern.

Vor rund 50 Millionen Jahren gab es diese bizarre Form des Parasitismus wohl auch in Nordeuropa. Das vermuten zumindest Forscher der Universitäten Bonn und Harvard sowie des Smithsonian- Instituts in Washington: Auf einem uralten Blatt- Fossil (Bild links) aus Messel bei Darmstadt fanden sie Bissspuren, die wahrscheinlich von einer pilzinfizierten Ameise stammen. Es ist das erste Mal, das Fossilien Hinweise auf eine durch Parasiten verursachte Verhaltensänderung liefern.

Ameise fungiert als "Mietwagen"

Was die Infektion genau bewirkt, hat Harvard- Biologe David P. Hughes herausgefunden: Wenn Sporen von Orphyocordyceps unilateralis auf den Panzer einer Ameise gelangen, beginnen sie dort zu keimen. Ein Pilzfaden, eine sogenannte Hyphe, dringt in ihr Opfer ein und programmiert sie quasi um. Von ihrem Nest in der Wipfelregion steigen die kranken Tiere dann in die Tiefe und suchen sich - zwei Handbreit über dem Boden - ein Blatt an der Nordseite des Baums. An seiner Unterseite verbeißen sie sich an einer der großen Blattvenen und sterben.

Und was hat der Pilz davon? 25 Zentimeter über dem Boden herrschen für ihn nahezu ideale Lebensbedingungen. Die Pilze nutzen die Ameisen also als Transportvehikel - und parken sie auch noch exakt dort, wo es ihnen selbst am besten geht. "Unsere Studie zeigt nun, dass es diese hoch spezialisierte Form des Parasitismus schon sehr viel länger gibt als gedacht", erläutert der Bonner Paläontologe Dr. Torsten Wappler, der zusammen mit US- Kollegen die charakteristischen Mini- Löcher in dem versteinerten Blatt entdeckt hat.

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