Erst am 30. März dieses Jahres war mit dem Influenzavirus A(H7N9) ein neuer Erreger für eine bei Vögeln offenbar sehr mild verlaufende Grippe identifiziert worden, die aber sporadisch Menschen infiziert und bei ihnen schwerste Krankheitsverläufe verursachen kann. Bis 29. April sind in der Volksrepublik China 126 Erkrankungen per Laborbefund bestätigt worden, es gab 24 Todesfälle. Laut aktuellen Beobachtungsstudien liegt die Mortalität bei etwa 20 Prozent.
Di Liu vom Institut für Mikrobiologie der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und die Co-Autoren haben die ersten Erbsubstanz-Sequenzdaten analysiert, mit etwa hundert anderen Virusvarianten verglichen und daraus einen Stammbaum rekonstruiert. Bei der Entstehung neuer Influenzaviren kommt es zumeist durch Co-Infektion eines Wirtes - Vögel, Schweine etc. - zu einem Austausch von Genen.
Zahl der Virus-Varianten unbegrenzt
Die Zahl der möglichen Varianten ist praktisch unbegrenzt. Es kommt nämlich auf die Kombination von Veränderungen bei den beiden Virus-Oberflächenbestandteilen Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) an. In der Tierwelt gibt es 16 Hämagglutinin-Varianten (H1 bis H16) und neun Neuraminidase-Varianten (N1 bis H9). Beim Menschen pathogen (krankheitserregend und von Mensch zu Mensch übertragbar) sind bisher H1 und H3 sowie N1 und N2.
"Das neue Vogel-Influenzavirus A(H7N9) entstand durch mehrfache Genveränderungen. Das Hämagglutinin-Gen könnte von Vogel-Influenzaviren aus Enten stammen. Das Neuroaminidase-Gen dürfte von Wandervögeln entlang der ostasiatischen Flugroute stammen", so die Wissenschaftler. Die Hämagglutinin- und Neuraminidase-Gene sind besonders wichtig für das Auslösen einer Abwehrreaktion von Infizierten, weil sie sich an der Oberfläche der Viren befinden. Die inneren Strukturproteine dürften wiederum durch Gene von zwei verschiedenen A(H9N2)-Vogelviren kodiert sein, die von Hühnern stammen.
"Enten und Hühner als Zwischenwirte"
"Detaillierte Analysen zeigten, dass Enten und Hühner wahrscheinlich Zwischenwirte in der Entstehung des Krankheits-auslösenden A(H7N9)-Virus waren", schreiben die Forscher. Man sollte weltweit das Auftauchen solcher Virenstämme beobachten - genauso wie die Übertragung der Krankheitserreger von Geflügel auf den Menschen. Die Ergebnisse wurden online in der britischen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.
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