Dass die Wachstumsperioden auch in Mitteleuropa immer länger dauern, bestätigt Manfred Lexner vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur in Wien. "Der Klimawandel ist jedoch nur einer von mehreren Faktoren für das zunehmende Waldwachstum im Alpenraum", relativiert der Wiener Klimaforscher und Waldexperte die Studie im Interview.
US- Studienleiter Andrew Burton registrierte in vier Waldgebieten des Bundesstaates Michigan Veränderungen in der Temperatur, Feuchtigkeit sowie beim Stickstoffgehalt, der auf sauren Regen oder auf experimentelle Verabreichung zurückzuführen ist. Er fand heraus, dass die Bäume bei höheren Temperaturen schneller wachsen und aufgrund größerer Stickstoffkonzentration mehr Kohlenstoff erzeugen, falls sie über ausreichend Feuchtigkeit verfügen. "Es ist durchaus denkbar, dass für die Wälder Temperaturanstieg und Stickstoffzunahme bis zu einem gewissen Punkt positiv sind", sagte Burton. Die jährliche Wachstumsperiode sei dadurch seit 1987 um elf Tage gestiegen, was Burton als bedeutenden Anstieg bewertet.
Die US- Forscher werden bis 2012 weitere Messungen über das Baumwachstum und über die Entstehung der organischen Substanz im Erdreich vornehmen. Sie wollen herausfinden, ob die Zunahme am jährlichen Wachstum vom Waldsterben ausgeglichen wird. So soll auch erforscht werden, ob die Holzablagerungen am Waldboden sich langsamer zersetzen, da durch steigende Stickstoffkonzentration die Fähigkeit des Ökosystems, Kohlenstoff zu speichern, erhöht wird. Überprüft werden müsse außerdem, ab welchen Werten steigender Stickstoffgehalt die Wälder mehr schädigt als ihr Wachstum zu fördern.
Der Klimawandel bringt laut Manfred Lexner aber auch zahlreiche Probleme für den Wald: "Die Niederschläge verlagern sich zunehmend in die Wintermonate und geschehen somit außerhalb der Wachstumsphase", so der Klimaforscher und Waldexperte, der sich für die nächsten Jahre insgesamt keine großen Änderungen im Waldbestand Mitteleuropas erwartet. (pte)