Ins Meer gespülter Gips löste einst Klimawechsel aus

20.07.2012, 09:44
Ins Meer gespülter Gips löste einst Klimawechsel aus (Bild: EPA)
Foto: EPA
Plötzliche Veränderungen der Meeres- Chemie beeinflussen das Klima stärker als bisher angenommen. Denn wie ein Forscherteam aus den USA nun anhand von Sedimentproben und Modellrechnungen feststellen konnte, haben derartige chemische Reaktionen vor 50 Millionen Jahren jene kühle Klimaperiode verursacht, in der wir bis heute leben. Damals löste sich eine gewaltige Menge Gips im Ozean auf, als Indien mit dem asiatischen Kontinent zusammenstieß. Die darin enthaltenen Schwefelverbindungen kühlten das Klima.

Dieser Prozess habe wahrscheinlich dazu geführt, dass sich das damalige Treibhausklima abkühlte und eine neue Kaltzeit begann, berichteten die Forscher um Studienleiter Ulrich Wortmann von der University of Toronto am Freitag im Fachmagazin "Science". Bis vor Kurzem habe man angenommen, dass sich die chemische Zusammensetzung des Meerwassers nur sehr langsam ändere, schreiben die Forscher. Aber inzwischen finde man immer mehr Hinweise auf kurze, plötzliche Unterbrechungen in dieser allmählichen Entwicklung.

"Wir haben ein neues Gerüst zur besseren Interpretation von Evolutionsveränderungen und Klimawechseln während langen Zeitabschnitten entwickelt", so Wortmann in einer Aussendung  der Universität. Damit sei man auf die neuen Erkenntnisse gestoßen. Die Studie konzentriere sich zwar auf die letzten 130 Millionen Jahre, aber es gebe Hinweise darauf, dass es ähnliche Veränderungen in den Ozeanen bereits in den vergangenen 500 Millionen Jahren gegeben habe.

Urzeitliche Gips- Reservoire zusammengestaucht

"Als Indien mit Eurasien kollidierte, verstärkte dies die Erosion und Verwitterung der Gipsablagerungen dramatisch", schreiben Wortmann und seine Kollegen von der University of California in Santa Cruz. Dieser Zusammenstoß stauchte große Gebiete entlang der Nahtstelle beider Kontinente und verformte dabei eines der größten urzeitlichen Reservoire von wasserlöslichem Gips, wie die Forscher berichten.

Als Folge gelangten sehr schnell große Mengen Schwefel in den Ozean. Diese plötzliche Schwemme veränderte den Nährstoffhaushalt des Meerwassers und beeinflusste auch die darin lebenden Organismen. Gleichzeitig aber gab der Ozean auch einen großen Teil des Schwefels als feine Schwebstoffe an die Luft ab.

Schwefel- Aerosole kühlten Klima ab

Von diesen Schwefel- Aerosolen sei bekannt, beispielsweise aus Vulkanausbrüchen, dass sie abkühlend auf das Klima wirken, erklären die Forscher. Es sei daher naheliegend, dass diese durch den Gips ausgelöste Meeresveränderung auch zur zeitgleich beginnenden Klima- Abkühlung beigetragen habe.

"Dadurch könnte eine der wärmsten Perioden der jüngeren Erdgeschichte beendet worden sein", sagt Wortmann. Diese Erkenntnis verändere die Vorstellungen darüber grundlegend, wie sich die Meeres- Chemie im Laufe der Zeit verändere und wie sie das globale Klima beeinflusse, sagt Wortmann.

AG/red
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