Glaube an Therapie allein senkt das Schmerzempfinden

17.02.2011, 12:02
Glaube an Therapie allein senkt das Schmerzempfinden (Bild: © 2011 Photos.com, a division of Getty Images)
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Patienten, die an die Wirkung ihrer Schmerzbehandlung glauben, haben weniger Scherzen, wie eine aktuelle Studie deutscher Forscher belegt. Diese Erkenntnis soll vor allem für die Therapie von chronischen Schmerzpatienten von großem Nutzen sein.

Die Wissenschaftler testeten für ihre Studie 22 gesunde Männer und Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Die Probanden wurden mehrfach einige Sekunden lang einem Hitzereiz ausgesetzt, der zu einem mittleren bis starken Schmerz führte. Auf einer Skala von 0 bis 100 lag das Schmerzempfinden im Schnitt bei 70.

"Der Glaube versetzt Berge"

Im Rahmen der Untersuchung erhielten die Teilnehmer per Infusion ein stark wirksames, opioidhaltiges Schmerzmittel (Remifentanil). Die Probanden wussten zu Beginn des Experiments nicht, dass ihnen durch den Infusionsschlauch bereits das Schmerzmittel verabreicht wurde, die Schmerzintensität sank durch diese "heimliche" Verabreichung allerdings von 66 auf 55.

Dann erklärten die Forscher den Probanden, die Schmerzmittelgabe starte nun, obwohl sie in Wahrheit nichts an der schon vorher begonnenen Dosierung veränderten. Das Schmerzempfinden fiel dadurch weiter auf einen Mittelwert von 39.

Schließlich wurde den Probanden erklärt, dass die Schmerzmittelgabe nun gestoppt werden würde, tatsächlich wurde aber auch weiterhin nichts an der Dosierung verändert. Das Schmerzempfinden kletterte dadurch im Schnitt wieder auf 64 und lag damit fast so hoch wie vor Beginn der Schmerzmittelgabe. "Die negative Erwartung und die Angst vor dem Schmerz haben den Effekt des Medikaments vollständig zerstört", so Studienleiterin Ulrike Bingel.

Glaube an Behandlung spiegelt sich im Gehirn

Diese Effekte ließen sich auch mit der zeitgleichen Untersuchung im funktionellen Magnetresonanztomografen nachweisen, der die Schmerzverarbeitung im Gehirn sichtbar machen kann. Glaubte ein Proband an die Behandlung, wurde das körpereigene schmerzhemmende System aktiviert und verstärkte die Wirkung des Schmerzmittels.

Die Erkenntnisse seien besonders für die Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen wichtig, erklärte die Studienautorin. "Vielen konnte über Jahre nicht geholfen werden, sie sind verzweifelt und ängstlich, haben kein Vertrauen mehr in die Medizin. Ihre negativen Erwartungen könnten die Wirkung von Medikamenten ungünstig beeinflussen", so Bingel.

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