Mittels Gentherapie

Forscher geben Mäusen Riechsinn zurück

Wissen
03.09.2012 09:41
Einem internationalen Forscherteam ist es erstmals geglückt, eine angeborene Geruchsblindheit mittels Gentherapie zu heilen. Bei Mäusen reparierten sie eine Genmutation, die zu verkümmerten Sinneshärchen in den Riechzellen der Nase führt, indem sie ein intaktes Ersatzgen mittels Viren in die Riechzellen einschleusten.

Bereits 24 Stunden nach dieser Behandlung hätten die Mäuse riechen können. Die Sinneshärchen ihrer Riechzellen seien funktionsfähig geworden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Medicine". Dieses Ergebnis eröffne einen Weg, solche Fehlbildungen auch beim Menschen zukünftig mittels Gentherapie heilen zu können, so die Forscher.

Viele Sinneszellen unsere Körpers tragen feine, haarförmige Anhänge, die sogenannten Cilien. Diese Härchen sind unter anderem für die Wahrnehmung von Reizen unabdingbar. Sind sie durch einen Gendefekt verkümmert oder fehlgebildet, kann dies die Riechfähigkeit blockieren, wie die Forscher berichten. Eine Therapie, die Patienten mit einer solchen sogenannten Ciliopathie helfen könne, habe es bisher nicht gegeben. 

"Wir haben nun erstmals eine therapeutische Behandlung gefunden, die die Cilien wieder herstellt und diese Fehlbildungen heilt", schrieben Jeremy McIntyre von der University of Michigan in Ann Arbor und seine Kollegen. Die Forscher testeten ihr Verfahren an einem Mäusestamm, bei dem ein Gen namens IFT88 durch eine Mutation verändert ist. Als Folge besitzen die Tiere fehlgebildete Cilien und haben daher keinen Geruchssinn.

Forscher schleusen Gen mittels Viren ein
Wie McIntyre und seine Kollegen mittels Genanalysen herausfanden, ist dieses Gen auch bei vielen Menschen mit Ciliopathie defekt. Um ein intaktes Ersatzgen in die Riechzellen der Mäuse einzuschleusen, bauten die Wissenschaftler es zunächst in Viren ein, die mit den Erregern des Schnupfens verwandt sind.

Diese Adenoviren befallen die Zellen der Nase und bauen dabei ihre DNA in die der Wirtszellen ein. Dadurch gelangt auch das Ersatzgen für das defekte IFT88 in das Genom der Riechzellen. Mittels Nasenspray verabreichten die Forscher den Mäusen die Lösung mit den zu Genfähren umgerüsteten Viren.

Bereits wenige Stunden nach der Behandlung ließ sich das von dem Ersatzgen produzierte Eiweiß in den Riechzellen der Mäuse nachweisen, wie die Forscher berichteten. Auch die Cilien hätten erste Anzeichen für eine Erholung gezeigt. Um herauszufinden, ob dadurch auch der Geruchssinn der Mäuse funktionsfähig wurde, ließen die Forscher die Tiere an verschiedenen Konzentrationen eines Duftstoffs riechen. Gleichzeitig maßen sie die Hirnströme im Riechzentrum des Gehirns.

Behandlung hält noch nicht dauerhaft an
"Die zuvor geruchsblinden Mäuse zeigten dabei eine normale, gesunden Mäusen ähnliche Reaktion", schrieben McIntyre und seine Kollegen. Das zeige, dass die Gentherapie nicht nur die Cilien-Fehlbildung korrigiert, sondern auch die Riechfähigkeit hergestellt habe. "Eine solche Therapie hat daher auch großes Potenzial, um Ciliopathien beim Menschen zu heilen", konstatierten die Forscher. 

Allerdings: Weil die Riechzellen der Nase nicht lange leben und häufig erneuert werden, halte die Wirkung einer Behandlung nicht dauerhaft an. Bei den Mäusen habe man das neue Gen aber rund einen Monat lang nachgewiesen, so die Wissenschaftler.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Wissen
03.09.2012 09:41
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung