Schwere Unterzuckerungen - etwa durch fehlerhafte Insulin-Gaben - führen laut der Experten offenbar zu weiteren Hirnschädigungen, die eine Demenz beschleunigen. Es gebe aber auch noch viele andere psychosoziale Konsequenzen der Stoffwechselerkrankung, an der in Österreich bereits rund 600.000 Personen leiden.
Die gefährliche Kombination von Demenz und Diabetes werde noch zu wenig beachtet, betonten die DDG-Experten. Die Fachgesellschaft präsentierte deshalb nun eine weltweit einzigartige Leitlinie "Psychosoziales und Diabetes", welche die Therapie der Betroffenen vereinheitlichen und verbessern soll.
Doppelt so häufig Depressionen
Auch von Depressionen seien Diabetiker besonders betroffen - mit rund zehn Prozent etwa doppelt so stark wie die Normalbevölkerung, betonte Johannes Kruse vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Oft komme es zu einer Art Teufelskreis: "Einerseits erhöht die Depression das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, andererseits gehen die Belastungen der körperlichen Erkrankung einher mit der Entwicklung von depressiven Symptomen."
In all diesen Fällen sei eine frühzeitige psychotherapeutische Unterstützung wichtig, gegebenenfalls ergänzt durch Medikamente, forderten die deutschen Ärzte. Dies gelte auch für den im Vergleich zur Normalbevölkerung doppelt so hohen Anteil junger Typ-1-Diabetikerinnen, die an Essstörungen leiden.
Bulimie bei Diabetikerinnen häufiger
Verbreitet ist vor allem die Bulimie. Während sonst ein bis zwei Prozent der 14- bis 20-jährigen Frauen an dieser Störung leiden, sind es unter den "juvenilen" Diabetikerinnen zwei bis vier Prozent. "Schwanken Blutzuckerwert und Gewicht bei einer jungen Patientin stark, sollte eine Bulimia nervosa in Betracht gezogen werden", sagte Stephan Herpertz von der Ruhr-Universität Bochum. Viele Patientinnen spritzten sich auch bewusst zu wenig Insulin, um dadurch abzunehmen. Doch die Folgen der starken Blutzuckerschwankungen, die so entstehen, können für Augen, Nieren und Nerven langfristig dramatisch sein.
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