Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sind Kinder und Jugendliche zwar seltener von Depressionen betroffen. Doch es gibt eine Entwicklung mit zunehmendem Alter: Unter Kindern leiden weniger als drei Prozent an Depressionen, unter den Jugendlichen bis zu 6,4 Prozent, je nach Altersstufe. Mit dem Ende des Kindesalters aber stellt sich bereits ein Überwiegen der Fälle unter Mädchen beziehungsweise jungen Frauen ein.
Charakteristisch bei den Symptomen von Kindern und Jugendlichen sind Anzeichen wie Interessensverlust, resignative Haltung, "Sich-nicht-freuen-Können" trotz offenbarer Gründe dafür, Verminderung der Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit, Denkhemmung bis hin zum Grübeln und stark vermindertes Selbstwertgefühl.
Symptome bei Altersgruppen unterschiedlich
Auch bei den Symptomen gibt es eine Altersschichtung: Stehen bei Kleinkindern bis drei Jahre Apathie und Spielunlust im Vordergrund, sind es im Vorschulalter dann vor allem Stimmungslabilitäten, mangelnde Fähigkeit, sich zu freuen und eventuell auch aggressives Verhalten. Depressive Schulkinder formulieren erstmals verbal ihre Traurigkeit und können auch schon suizidale Gedanken äußern.
Kienbacher: "Bei Suizidgedanken ist rasches Handeln gefordert. Immerhin begeht in Österreich pro Woche ein Mensch unter 18 Selbstmord. Das ist zumeist auf Drogen beziehungsweise Depressionen zurückzuführen." In der Pubertät und im Jugendalter stehen besonders vermindertes Selbstwertgefühl, Ängste, Konzentrationsmangel und auch starke Schwankungen der Gemütslage über den Tag hinweg im Vordergrund.
Probleme in der Therapie
Leichte und mittelschwere Depressionen im Kindes- und Jugendalter können zumeist ambulant behandelt werden, in schweren Fällen sollte eine stationäre Aufnahme erfolgen. Hier gibt es in Österreich laut Christian Kienbacher ein Problem: "Es verfügt die Kindes- und Jugendpsychiatrie nicht über genügend stationäre Betten." 80 bis 120 Jugendliche werden regelmäßig in Stationen der Erwachsenen-Psychiatrie aufgenommen. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist vom Gesundheitsministerium zum "Mangelfach" erklärt worden, was in den kommenden Jahren zumindest die Ausbildung von zusätzlichen Fachärzten erleichtern sollte.
Das zweite Manko betrifft die Antidepressiva. Sie kommen in Kombination mit der Psychotherapie bei schweren Depressionen zum Einsatz, sollten aber auch nach Abflauen der Symptome mindestens sechs bis neun Monate weiter gegeben werden. Eine Zulassung ab dem achten Lebensjahr (sonst zumeist erst ab 18 Jahren bei besonderen Vorsichtsmaßnahmen bis 25) gibt es in Österreich nur für ein einziges Antidepressivum, einen selektiven Serotonin-Reuptake-Hemmer (SSRI) und sonst nur für ein altes "Trizyklikum" mit erhöhtem Nebenwirkungspotenzial. Sonst werden die Medikamente zumeist "Off Label", also mangels einer speziellen Zulassung auf Verantwortung des behandelnden Arztes, benutzt.
"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen"
Der Kinderpsychiater: "Es gibt nur wenige klinische Studien. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Mit der medikamentösen Behandlung muss man langsam beginnen und engmaschig kontrollieren." Es gibt auch Hinweise darauf, dass durch eine erhöhte Stoffwechselrate bei Kindern die für Erwachsene normalerweise vorgesehene Dosierung der Antidepressiva eigentlich zu gering ist.
Weiterhin fraglich ist, was aus einer US-Studie geschlossen werden sollte, welche unter SSRI-Therapie bei Kindern und Jugendlichen in etwa eine Verdopplung der Häufigkeit von Suizidgedanken von zwei auf vier Prozent erbrachte. Das sorgte vor einigen Jahren für weltweite Aufregung. Allerdings, so Kienbacher: "Eine Untersuchung in Österreich hat bei AHS-Schülern eine Häufigkeit des Auftretens solcher Gedanken von 50 Prozent gezeigt, bei BHS- und HTL-Schülern von 30 Prozent." Dies hätte wohl schon auch mit psychischen Entwicklungsphasen während der Pubertät und im Jugendalter zu tun. Aber Vorsicht sei in jedem Fall angebracht.
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