Virtuelles Training

Blinde lernen mit Computerspiel Gebäude kennen

Wissen
29.03.2013 07:54
US-Wissenschaftler haben ein Computerspiel entwickelt, mit dem Blinde eine räumliche Karte eines Gebäudes in ihrem Kopf erstellen können. Damit könnten sie sich später im realen Gebäude auf Anhieb selbstständig zurechtfinden, berichtete der Onlinedienst "wissenschaft.de" am Donnerstag.

Bei dem "Audio Based Environment Simulator" genannten System steuern die Nutzer einen virtuellen Avatar durch ein dreidimensionales Abbild eines Gebäudes. Im Spiel müssen sie Edelsteine suchen, die sich in bestimmten Räumen befinden, und Monstern ausweichen, die ihnen die Edelsteine wieder abnehmen wollen.

Hörsignale geben den Blinden dabei Hinweise auf Raumstrukturen. So bedeutet ein Ton im rechten Ohr, dass sich rechts eine Tür befindet. Dreht der Nutzer seinen Avatar um 180 Grad, kommt das Signal von links, erklärten Lotfi Merabet von der Harvard Medical School und Kollegen im "Journal of Visualized Experiments".

Die Forscher testeten den Erfolg ihres Systems am Carrol Center for the Blind in Newton, Massachusetts. Dafür bauten sie alle Gänge, Türen und sonstige Raumstrukturen des Blindenzentrums virtuell nach. Blinde, die zuvor mit dem Spiel geübt hatten, konnten sich im realen Gebäude gut orientieren und kannten etwa von verschiedenen Räumen aus den schnellsten Weg zum Ausgang.

Die dreidimensionalen Abbilder vieler weiterer Gebäude könnten den Forschern zufolge nun in das Computerprogramm integriert werden. So könnte ein Konzept entstehen, das Millionen blinder Menschen weltweit die Möglichkeit bietet, mehr Selbstständigkeit zu entwickeln. "Sie können sich in einem sicheren Umfeld mit einer komplexen Umgebung vertraut machen, um sich dann später selbstbewusst in der Realität zurechtfinden zu können", erläuterte Merabet.

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