Archäologen finden mittelalterliche "Vampirgräber"

05.06.2012, 12:54
Archäologen finden mittelalterliche "Vampirgräber" (Bild: dapd/AP)
Foto: dapd/AP
Für helle Aufregung unter bulgarischen Archäologen sorgen zurzeit zwei mittelalterliche Gräber. Bei Ausgrabungen in den Fundamenten einer spätmittelalterlichen Kirche in der kleinen Stadt Sosopol an der Schwarzmeerküste wurden Skelette gefunden, durch die offenbar Eisenstangen gerammt worden waren. Für einige Medien ist es bereits der Beweis für die jahrhundertealte Furcht vor Vampiren.

Beide Skelette (im Bild eines der beiden) wiesen ansonsten keinerlei Verletzungen auf - lediglich im Bereich des Sonnengeflechts seien sie mit Eisenstangen, die von einem Pflug stammen dürften, durchstochen, erklärte der Archäologe Dimitar Nedew, der die Gräber in der Apsis der Kirche des Heiligen Nikolaus entdeckt hat. Seiner Ansicht nach ist der Fund ein Beweis für die aus der Mythologie bekannten Praktiken, sich gegen Vampire zur Wehr zu setzen.

Laut Nedew galten im Mittelalter allerdings auch Gelehrte und Naturheiler als Personen, von denen ein unheimlicher Zauber ausging, vor dem sich viele Menschen fürchteten. Der Archäologe schließt deshalb auch die Möglichkeit nicht aus, dass das etwas zierlichere zweite Skelett jenes einer Frau ist, die möglicherweise als Ehefrau des "Vampirs" auf dieselbe Weise bestattet worden war, quasi um auf Nummer sicher zu gehen.

Boschidar Dimitrow, der Chef des bulgarischen Nationalen Museums NIM und Ex- Minister, teilt diese Meinung allerdings nicht. Er behauptet, dass bulgarische "Vampirgräber" der Wissenschaft längst bekannt seien, aber unter den rund 100 bekannten kein einziges einer Frau sei. Dimitrow bestätigte jedoch die These Nedews, dass man dazu geneigt habe, brutale Machthaber und Geistliche, die zur Lebenszeit die Bevölkerung gequält hatten, "vorsichtshalber" mit Eisenstangen zu durchbohren, um die Garantie zu haben, dass sie auf keinem Fall "wiederkommen" würden.

AG/red
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